Dass die jungen Männer Disziplin lernen beim Bundesheer war ebenso ein gewichtiger Grund, am Sonntag für die Wehrpflicht zu stimmen. Weshalb werden im eigentlich friedfertigen Österreich militärische Tugenden so hochgehalten?
Das Ergebnis der Abstimmung ging sehr eindeutig für die Wehrpflicht aus. Gerade aus Sicht der Jungen lohnt sich dennoch ein zweiter, genauerer Blick auf die Wahl vom Sonntag. Bei den Unter-30-Jährigen überwogen die Berufsheerunterstützer. Umso älter, desto mehr für die Wehrpflicht, war die Tendenz unter den Wahlberechtigten. Dass die jungen Männer Disziplin lernen beim Bundesheer war ebenso ein gewichtiger Grund, am Sonntag für die Wehrpflicht zu stimmen. Disziplin und Anpassung ist von vornherein nichts Schlechtes. Ein Mindestmaß davon braucht es in jeder Schule, an jedem Arbeitsplatz. Das ständige „Jawohl, Herr Kommandant“ und Nicht-Hinterfragen von Entscheidungen, diese äußerst strikte Ordnung ist für ein Militär und somit auch das Bundesheer bis zu einem gewissen Grad notwendig.
Militärische Tugenden. Im „normalen“ Leben hat diese Denkweise aber nichts verloren. Wahrscheinlich ist das mit ein Grund, wieso sich immer mehr für den Zivildienst entscheiden. Sehr fragwürdig ist, weshalb im eigentlich friedfertigen Österreich militärische Tugenden so hochgehalten werden. Es liegt wohl zu einem Gutteil an der Romantisierung des Heeres, von dem die meisten vor allem Bilder von Katastropheneinsätzen im Kopf haben. Dieser Beitrag des Heeres soll nicht geschmälert werden. Dennoch muss klar sein: Das Bundesheer ist kein Pazifistenverein. Und: Die Überbetonung des Gehorsams spießt sich mit der Anforderung an (junge) Erwachsene, mündige Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen. Wirklich bedenklich am Bundesheer in seiner derzeitigen Verfassung ist, dass noch immer viele Rekruten von sinnlosen Schikanen der Vorgesetzten berichten. Das weitere Argument, das Heer habe „noch niemandem geschadet“ kann somit widerlegt werden.