Von Zehntel- und Hundertstelsekunden wird viel die Rede sein in den nächsten Wochen, wenn die Besten der Welt in Schladming um Medaillen rittern. Auf den Vorsprung kommt es an. Er macht den Unterschied. Vorne, der Konkurrenz voraus sein. Das ist auch das Prinzip der Konkurrenzwirtschaft. Wer überleben will, muss vorne sein. Doch an der Spitze haben nur wenige Platz. Noch schneller, noch effizienter, noch sparsamer, noch risikobewusster muss sein, wer sich an der Spitze behaupten will. Im Sport ist es irgendwie Spiel, nicht ganz so ernst. Aber wo sich die Philosophie des unbedingten Vorsprungs auch sonst im Leben breit macht, wird es eng. Manche sagen es offen. Brutal geht es zu im Vorderfeld. Wo der Vorsprung zum Muss wird, dort stirbt das Miteinander. Ruhe und Gemächlichkeit kommen abhanden. Sich Zeit lassen wird zum Risiko, Langsamkeit zum Kündigungsgrund. In unserer Gesellschaft braucht es mehr Aufmerksamkeit dafür, was sich auf den hinteren Plätzen abspielt – wo keine Kamera hinblickt. „Ich konnte nicht mehr mit, aber du bist mir einfach davongefahren.“ Das könnte auch eine der Erkenntnisse sein, vor denen man eines jüngsten Tages steht.