Und dann sitze ich da, blättere in alten Fotoalben und möchte plötzlich wieder, dass meine Kinder kleiner sind.
Ausgabe: 2013/04
23.01.2013
- Brigitta Hasch
Fast täglich erlebe ich Situationen, wie ich sie seit Jahren kenne, und doch ist meine Sichtweise nun eine andere. Ich sitze im vollbesetzten Bus, Schüler und Schülerinnen beklagen sich über schwere Schularbeiten und unangenehme Lehrer – nichts Neues, aber vor allem fehlt mir der Bezug. Ich schlendere durch den Lebensmittelmarkt, vor mir steht eine junge Mutter und hat alle Hände voll zu tun, ihrem Kind die Schokotafel auszureden. „Viel Glück“, denke ich und gehe weiter. Meine Kollegin plant ein Kinder-Geburtstagsfest und holt sich dafür ein paar Infos. Ich bin froh, dass die Zeit, in der 20 dreckige Kinderschuhe durch mein Wohnzimmer gelaufen sind und die Torte auch auf Sessel und Boden verteilt wurde, lange vorbei ist. Und dann sitze ich da, blättere in alten Fotoalben und möchte plötzlich wieder, dass meine Kinder kleiner sind, dass ich mit ihnen basteln kann und dass wir ein bisschen kuscheln. Kitschig und sentimental. Ein Anruf meiner Tochter, die mich über ihre Studienerfolge informiert, reißt mich aus diesen Gedanken. Und dann kommt mein Sohn vom Zivildienst nach Hause, hilft mir am PC und trägt unaufgefordert den Müll hinunter! Ja, ich genieße das Heute und bin stolz auf die beiden.