Wer nur einer jugendlichen und schwungvollen Kirche Kraft zutraut, täuscht sich.Das Wunder kommt manchmal spät. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ja, das Alter! So klagen betagte Leute. Alles wird schwer und mühsam. Schwer und mühsam erscheint auch das Befinden der Kirche. Alt ist sie geworden, und wo man sich umschaut: alte Gesichter. Hoffnungslos veraltet, urteilen manche. Mariä Lichtmess – Darstellung des Herrn heißt das Fest am 2. Februar heute – legt es anders nahe. Ein gewöhnlicher Wochentag im Kalender, ist er doch ein ganz großer Tag für eine alt gewordene Kirche. Zwar erzählt der Evangelist von Jesus, wie er dem Brauch entsprechend von den Eltern in den Tempel getragen wird. Viel ausführlicher erzählt er, was mit zwei für damalige Verhältnisse uralten Leuten geschehen ist: Simeon und Hanna. 84 war sie, Witwe und wohl sehr ausgezehrt. Ein Leben lang haben sie die Hoffnung wach gehalten, dass sie den Messias erleben werden. „Meine Augen haben das Heil gesehen“, preist Simeon Gott. Wer nur einer jugendlichen und schwungvollen Kirche Kraft zutraut, täuscht sich. Das Wunder kommt manchmal spät, macht fast verrückt vor Freude. Was mit den zwei alten Leuten geschah, ist eine Ermutigung, ein Zuspruch an eine alt gewordene Kirche. Nicht hoffnungslos, hoffnungsnah ist sie geworden.