Montag morgen in der Straßenbahn zur Arbeit. Zwei Burschen erklären draußen einem Schwarzafrikaner den Weg in die Linzer Innenstadt. Sehr höflich machen sie das. Bis sie in die Straßenbahn eingestiegen sind und so richtig loslegen. „Neger“ ist noch das freundlichste Wort, das fällt. Sie wollen vor allem die anderen Fahrgäste provozieren, denn der Schwarzafrikaner ist längst nicht mehr in Hörweite. Rassismus gehört zum Alltag. Das Problembewusstsein ist dafür in den letzten Jahrzehnten sicher gestiegen. Das zeigt das Vorhaben des Verlages von dem Buch „Die kleine Hexe“, Wörter wie „Neger“ in den Neuauflagen zu streichen bzw. umzuformulieren. Wörter aus alten Kinderbuch-Klassikern zu streichen, komme einer Zensur gleich, empörte sich daraufhin „Die Zeit“, und in den Gesang stimmten mehrere deutsche Medien ein. Es stimmt zwar, dass „Neger“ früher kein Schimpfwort war, trotzdem mutet es einfach seltsam an, wenn dieses und ähnliche Wörter so vehement verteidigt werden. Recht interessant ist ein Leserbrief einer Neunjährigen an „Die Zeit“, der dazu im Internet kursiert. Sie ist selbst dunkelhäutig und schreibt u.a.: „Könnt ihr euch nicht vorstellen, wie sich das für mich anfühlt, wenn ich das Wort lesen oder hören muss?“ Die Antwort lautet leider: Offensichtlich nein.