Haben wir die Sache mit dem Ernst doch missverstanden, gerade in der Kirche, wo man sich an der Kirchentür das Lachen verkneift und eine ernste Miene aufzieht? Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2013/06,
06.02.2013
- Matthäus Fellinger
Immer ist es der Spaß, der beiseite treten muss. Wenn die Dinge entscheidend werden, dann hat der Ernst den Vorrang. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, die seien ernst. Solange ein Kind klein ist, mag es das Leben ja ganz lustig finden. Spätestens nach der Schulzeit aber, da ist Schluss mit lustig. Der Ernst des Lebens beginnt. Das ist das wirkliche Leben – „Spaß beiseite“! „Ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.“ So beschreibt ein Mensch im Buch der Sprichwörter seine Existenz. Das Leben – ein Spielen. Und das in der Bibel! Haben wir die Sache mit dem Ernst doch missverstanden, gerade in der Kirche, wo man sich an der Kirchentür das Lachen verkneift und eine ernste Miene aufzieht? Wenn wirklich der Ernst den Vorrang hätte, dann würde, logisch fortgedacht, der Himmel eine einzige, todernste Angelegenheit werden. Wer wollte da hin? Gott wird die Tränen abwischen, glauben die Christen. Es sind die Tränen des Leidens, die der Erlösung entgegenstehen, nicht die der Freude. Das wäre Hoffnung: Dass es mit dem wichtigtuerischen Ernst des Lebens auch wieder einmal zu Ende sein wird. Und ein Lachen wird sein – und ein Spielen.