Zu wenig geistliche Berufungen? Kein Problem, mit dieser kühnen Idee ist dem Vatikan ein Geniestreich gelungen.
Ausgabe: 2013/06, Fasching, Priestermangel
06.02.2013
- Kath.Arr
Der Vatikan will mit einer gefinkelten Maßnahme den Priestermangel in weiten Teilen der Welt mit einem Schlag beheben. Funktionieren soll das nach dem Prinzip der sogenannten „Titularbischöfe“. Kein Bischof kann geweiht werden, wenn es nicht auch ein Diözesangebiet für ihn gibt. Weil aber viel mehr Bischöfe als Diözesen da sind, werden Bischöfe auch für Diözesen, die längst nicht mehr bestehen, geweiht – die sogenannte Titularbischöfe eben. So sind Bischöfe auf Diözesen, die längst vom Wüstensand der Sahara zugedeckt sind, geweiht. Das Prinzip will man sich nun für pfarrerlose Pfarren zunutze machen – nur umgekehrt. Es werden Pfarren mit Pfarrern, die es nicht mehr gibt, besetzt. Auf Papier würde die Sache stimmen. Juristisch hätte die Lösung dieselbe Qualität wie die kirchenrechtlich erlaubte Gepflogenheit der Titularbischöfe. Den Vorwurf, es könnte die Seelsorge in solchen nur auf dem Papier besetzten Pfarren leiden, entkräftet Rom: Es sei dies erstens eine Lösung, die einer Schriftreligion gut anstehe – und zweitens verweist man auf die Diözese Linz, wo dieses Prinzip im Großfeldversuch längst erprobt sei.