Das Streben nach Glück ist in Bhutan in der Verfassung verankert. Es zeigt sich, dass für die Menschen nicht nur materielle, sondern auch persönliche und soziale Werte wichtig sind. Ein Kommentar von Susanne Huber.
„Wer kümmert sich um Sie, wenn Sie krank sind?“, „Gibt es Streit im Dorf?“, „Wie lange dauert es zu Fuß, das nächste Spital zu erreichen?“, „Was brauchen Sie persönlich, um richtig glücklich zu sein?“ – solche und ähnliche Fragen stellen so genannte Glücksforscher den per Computer ausgewählten Einwohnern Bhutans. Seit ein paar Jahren wird in dem südasiatischen Land von Beamten des neu geschaffenen Glücksministeriums nicht das Bruttoinlandsprodukt, sondern das Bruttoinlandsglück ermittelt und gemessen. Dazu kommt, dass der Staat sich auch darum bemüht Maßnahmen zu fördern, damit die Lebenszufriedenheit der Menschen erhöht wird. Mehrere Faktoren sind dabei wichtig. Es geht darum, die Kultur des Landes zu bewahren und zu fördern, das Leben im Einklang mit der Natur zu gestalten, die Entwicklung der Wirtschaft gerechter zu strukturieren und generell das Land gut zu regieren.
Aber was ist Glück?
Für jeden einzelnen von uns bedeutet es etwas anderes. Für die einen sind es Gesundheit, Zufriedenheit, Liebe; für die anderen genug zu essen, ein Arbeitsplatz oder ein hohes Einkommen. Auswertungen der Interviews in Bhutan zeigten, dass für die Menschen nicht nur materielle, sondern auch persönliche und soziale Werte wichtig sind. Das Streben nach Glück ist in Bhutan in der Verfassung verankert. Die UNO hat vor eineinhalb Jahren in einer Resolution niedergelegt, dass man anhand des Bruttoinlandsprodukts nicht auf das Wohlergehen der Bürger schließen kann. Deutschland und u. a. Frankreich haben die Resolution unterstützt; Österreich leider nicht. So ein Glücksministerium wäre für unser Land doch eine Nachahmung wert.