„Wieso haben nur Männer etwas zu sagen in der katholischen Kirche?“
Fünf Jugendliche erzählen, was sie über den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. denken, wohin die katholische Kirche jetzt steuern soll und wer der nächste Papst werden könnte.
Marlene Kaser, 15 Jahre, Schülerin. „Der Papst ist ein alter Mann, der von der Öffentlichkeit gequält wurde. Ich habe über das Radio von seinem Rücktritt erfahren und mich gefragt: WIESO? Er ist ja nicht gestorben. In den Medien wird, im Gegensatz zu meinem Freundeskreis, viel Wirbel um den Rücktritt gemacht. Grund für den Rücktritt ist sicher die Altersschwäche des Papstes. Ich finde es positiv, dass er den Platz frei macht und Raum für neue Ideen schafft. Intrigen könnte es aber auch gegeben haben. Der Nachfolger Papst Benedikts XVI. soll tolerant sein, sich auf Neues einlassen und Frauen mehr in die Kirche und in den Vatikan einbinden. Es soll Pfarrerinnen geben und eine Reduzierung der Heiligenverehrung erfolgen. Die vielen Kirchenaustritte liegen nicht an der Person des Papstes, sondern am Ruf nach Veränderungen. Ich fände es gut, wenn der nächste Papst afrikanisch oder lateinamerikanisch ist. So wie beim ersten dunkelhäutigen Präsidenten der USA.“
Naïm Aistleitner, 13 Jahre, Schüler. „Ich selbst bin nicht religiös, habe es aber natürlich mitbekommen, dass der Papst zurückgetreten ist. Ich hoffe auf Veränderungen durch den neuen Papst. Es wäre gut, wenn er die Verwendung von Kondomen zum Schutz vor Geschlechtskrankheiten erlauben würde. Dass Papst Benedikt auf diesem Verbot bestanden hat, hat mich sehr gestört. Wenn Kardinal Schönborn zum Papst gewählt würde, wäre das sehr schön. Ein Österreicher als Papst, das wäre einfach cool.“
Stefanie Hinterleitner, 22 Jahre, Studentin und Vorsitzende der Katholischen Jugend OÖ. „Ich habe gerade die Ski-WM angeschaut, als der Sportmoderator gesagt hat, dass der Papst zurücktreten wird. Zuerst habe ich mir gedacht, das gibt es nicht, und dann, dass es ein mutiger Schritt ist. Ich finde, dass auch die Medien sehr respektvoll damit umgegangen sind. Vom neuen Papst erhoffe ich, dass er gerne unter den Leuten ist und neue Schritte wagt. Wichtige Themen wie die Rechte der Frauen, die Sexualmoral sollten angegangen und geklärt werden. Die Gleichstellung der Frauen in der katholischen Kirche sollte ein wichtiges Ziel sein. Es sollte mehr möglich sein, zum Beispiel das Frauendiakonat erlaubt werden. Auch wenn das nicht so realistisch ist, die Hoffnung lebt.“
Roland Schweiger, 18 Jahre, Schüler. „Ich habe über Schulkollegen vom Rücktritt erfahren. Dieser ist positiv, weil der Papst nicht mehr gesund ist, kam aber unerwartet. Für mich muss ein Papst nichts bewirken, denn ich bin der Meinung, dass man keine Kirche braucht, um seinen Glauben auszuüben. Da spreche ich aus Erfahrung – ich bin ohne Bekenntnis. Worum sich ein neuer Papst kümmern soll, ist auf jeden Fall die Arbeitslosigkeit. Kardinal Schönborn hat vermutlich geringe Chancen.“
Emma Altmüller, 14, Schülerin. „Was mich stört, ist, dass bei der katholischen Kirche vieles veraltet wirkt. Und wenn alle davon reden, dass Gott alle gleich liebt, wieso haben dann nur Männer etwas zu sagen in der katholischen Kirche? Ich habe keine Ahnung, wieso der Papst zurückgetreten ist. Aber ich kann die ganze Aufregung sowieso nicht verstehen. Weil es wichtigere Themen für die Kirche gibt. Sie sollte sich um Themen wie Jugendarbeitslosigkeit annehmen und vor allem sich gegen die vielen Kriege auf der Welt mehr engagieren.“