Der Redner hat ihnen viel zu sagen. Die Zuhörer aber wollen viel von sich reden. – Sind sie nicht deswegen gekommen? Ein Unter uns von Ernst Gansinger.
Eine Versammlung. Tausende Erwachsene strömen dem Ort zu, füllen die Halle. Viele kennen einander; sie haben sich länger nicht mehr gesehen. Also wollen sie erzählen. Können sie auch zuhören? Dem Lärm nach nicht. Der berühmte Redner geht zum Podium. Ganz selten, dass man ihn hierzulande live erlebt. Die Masse ist ergriffen, murmelt nur noch kurz, nimmt sich dann zurück. Eine Zeitlang. Der Redner hat ihnen viel zu sagen. Die Zuhörer aber wollen viel von sich reden. – Sind sie nicht deswegen gekommen? – Bald schon nimmt sich der hintere Teil der Versammlung nicht mehr zurück und das Murmeln wieder auf: Trinken wir ein Bier, wie geht's, wo waren die Kinder auf Urlaub ... ? Die hinteren Reihen lichten sich, kein Kommen und Gehen, nur ein Gehen. Der Redner sagt noch immer Bedeutendes. Es zu hören, wird jedoch weiter hinten im Saal zunehmend zum Problem. Dort bröckeln die Zuhörerinnen und Zuhörer weg, und wo es bröckelt, ist es laut. Ich bin mitten unter ihnen, möchte viel mitbekommen vom Inhalt der Rede, verstehe aber nur noch Teile. Endlich endet der Vortrag. Alle springen von den Sitzen auf, drängen applaudierend dem Ausgang zu. Und bald schon werden sie Kinder ermahnen, wenn sie nicht aufmerksam sind, und ihnen erklären, wie wichtig es ist, Bedürfnisse im Zaum zu halten.