Ob die Papstwetten aufgrund fehlender Transparenz und mangelnder Demokratie im Vatikan oder aus allgemeiner Freude am Glücksspiel Beliebtheit erfahren, bleibt unklar. Ein Kommentar von Elisabeth Hiesmayr.
Die Wettanbieter sind dem Konklave einen Schritt voraus. Sie glauben schon zu wissen, wer die besten Chancen auf die Nachfolge Papst Benedikts XVI. hat. Derzeit stehen die Quoten am besten für den Afrikaner Peter Turkson. Dicht gefolgt vom Italiener Angelo Scola. Schenkt man den Buchmachern Glauben, so sollte man sein Geld bei dieser Papstwahl keinesfalls auf einen deutschsprachigen Kardinal setzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf den gebürtigen Bayern Joseph Ratzinger ein Österreicher oder Deutscher folge, sei niedrig. Mit dem nötigen Kleingeld kann neben der Nachfolge auch um das Geburtsland des künftigen Papstes oder die Anzahl der Wahlgänge gewettet werden.
Ob die Papstwetten aufgrund fehlender Transparenz und mangelnder Demokratie im Vatikan oder aus allgemeiner Freude am Glücksspiel Beliebtheit erfahren, bleibt unklar. Schön ist jedenfalls, dass Papst Benedikt XVI. in den letzten Tagen seiner Amtszeit die Weltwirtschaft ankurbelt, da können sich Politiker/innen ein Beispiel an ihm nehmen. Aber, wetten, dass die Bereicherung an der Papstwahl mit Respekt vor dem Kirchenoberhaupt nichts mehr zu tun hat?! Bei der Papstwahl 2005 brachten manche Wetten zum Kirchenoberhaupt mehr Geld als Spekulationen um Oscar-Preisträger oder die US-Präsidentschaft. Die Wettanbieter waren erfreut, dass Ratzinger Papst wurde. Obgleich er gute Chancen hatte, galt er meist nicht als Top-Favorit und ersparte den Anbietern somit einen großen finanziellen Verlust. Im Spiel um den Papst sind Gläubige, Nichtgläubige und Wettanbieter vereint. Die Kirche gewinnt das Spiel, wenn sie auch nach der Papstwahl noch eine solch große Aufmerksamkeit bekommt.