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Vom Zivildiener zum Filmregisseur

Der junge Regisseur Lorenz Tröbinger (20) kam im Zuge seines Zivildienstes zum ersten Mal mit Obdachlosigkeit in Berührung. Dabei hatte er den Einfall, über die neuen Erfahrungen einen Kurzfilm zu drehen. Im Interview mit der KirchenZeitung lässt er hinter die Kulissen des Kupfermuckn-Films blicken.
Ausgabe: 2013/09, Zivildiener, Filmregisseur, Tröbinger, Obdachlosigkeit, Kurzfilm, Filmbranche, Kupfermuckn
27.02.2013
- Elisabeth Hiesmayr
Wie bist du in die Filmbranche gelangt?
Lorenz Tröbinger: Ich habe bereits in jungen Jahren mein Interesse an Theater und Film entdeckt. Filme gefallen mir am besten, weil man damit Geschichten erzählen kann. Darauf ist auch mein Studium ausgerichtet – ich studiere Theater-, Film- und Medienwissenschaften.

Was sind deine Erfahrungen mit Obdachlosigkeit und Armut?

Vor meinem Zivildienst bei der ARGE Obdachlose habe ich nie damit zu tun gehabt. Aus den Gesprächen mit Betroffenen habe ich mitgenommen, dass es viel Armut gibt. Man kann ihnen aber bereits mit kleinen Gesten helfen und bekommt dafür Dankbarkeit. Oft wird angenommen, dass aufgrund der schwierigen Situation nur negative Stimmung vorherrscht. Ich habe gemerkt, dass trotzdem viel gelacht wird und ein großer Zusammenhalt besteht.

Haben dir deine Erfahrungen aus dem Zivildienst beim Filmdreh geholfen?
Ja. Ich kannte die vier Kupfermuckn-Redakteure bereits und wusste, dass sie eine Geschichte im Kontext der Armut und Obdachlosigkeit erzählen können – nämlich ihre eigene. Dazu haben wir ihnen vor der Kamera die Chance gegeben.

Wer ist „wir“?
Wir sind das Team des Filmprojekts „Kupfermuckn“. Ich bin der Jüngste. Auch David Rabeder (Kamera), Uli Bollenberger (Kamera­assistenz) und Simon Rabeder (Ton) sind noch keine 30 Jahre.

Wie würdest du die vier Hauptakteure des Films beschreiben?
Erich ist ein Künstler, denn er malt gerne, moderiert im Radio und spielt Theater. Georg ist ein äußerst aktiver Kupfermuckn-Redakteur. Der aus München stammende Freddy hat viele Berufe ausgeübt. Sonja haben wir oft in Parks gefilmt. Sie kennt sich dort aus, denn sie ist die Interessensvertreterin der Betroffenen bei der Wohnungslosenhilfe OÖ und spricht viel mit ihnen.

Was sind die Schauplätze des Films?

Wir sind viel herumgefahren und haben Gespräche mit den vier Darstellern an verschiedenen Schauplätzen in Linz und Wels gefilmt. Zum Beispiel im Kupfermuckn-Büro, in einem Taxi, in Parks, die typisch für die Obdachlosen-Szene sind, und an vielen weiteren Orten, die den vier Erzählenden wichtig sind oder waren.

Wie ist der Film entstanden?
Ich finde, dass viele Dokumentationsfilme ein verfälschtes Bild über Obdachlosigkeit vermitteln. Denn viele Filme über Armut zeigen nur negative Aspekte und lassen Betroffene nicht zu Wort kommen. Also bin ich während des Zivildienstes zu meinem Chef gegangen und habe ihm vorgeschlagen, einen „ehrlichen“ Film darüber zu drehen. Sein O.k. bekam ich schnell und machte mich gleich auf Sponsorensuche. Im Mai 2012 begannen die Dreharbeiten. Nach umfangreichen Sortier- und Schneidearbeiten entstand ein knapp 30-minütiger Kurzfilm, der Ende Jänner 2013 im Moviemento Linz Premiere hatte und in dem die vierBetroffenen vor laufender Kamera offen über ihr Leben reden.

Gibt es nach der erfolgreichen Premiere weitere Filmvorstellungen?
Im März gibt es eine weitere Filmvorführung. Außerdem erscheint im März die DVD des Kupfermuckn-Films.

Was wünscht du den vier Hauptdarstellern für die Zukunft?

Alle vier haben durch harte Arbeit den Weg in ein gefestigtes Leben zurück gefunden und sind jetzt nicht mehr obdachlos. Ich wünsche ihnen weiterhin Sicherheit und dass sie ihre Lebenslust beibehalten.

Kupfermuckn

Die Straßenzeitung „Kupfermuckn“ ist 1996 aus einer Schreibwerkstatt der ARGE für Obdachlose hervorgegangen und erschien dann vier Mal jährlich. Seit 2002 gibt es jeden Monat eine neue Ausgabe. Der Name „Kupfermuckn“ stammt aus dem Wortschatz Wohnungsloser und bedeutet „Schlafplatz/Unterschlupf“. Die Kupfermuckn-Zeitungen werden von rund 80 Verkäufer/innen in Linz, Wels und Steyr und an variablen Orten verkauft. Die Straßenzeitung bietet eine Beschäftigung und einen Verdienst für Personen, die aus dem Umfeld der Obdachlosigkeit und Armut stammen. Sie können in der Redaktion oder auch im Verkauf der Zeitung tätig sein. Vier Kupfermuckn-Redakteure schildern nun ihre Erfahrungen in einem Film. www.arge-obdachlose.at

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