Die ersten Landtagswahlen in diesem Jahr sind geschlagen. In Kärnten zeigte sich deutlich: Die Bevölkerung wollte unter das Haider-Erbe einen Schlussstrich ziehen und eine Wende herbeiführen. Dass dabei die Grünen, die mit ihrer Hartnäckigkeit dafür sorgten, dass die Korruptionsskandale von den Staatsanwaltschaften und Gerichten dann doch noch verfolgt wurden, nicht über knapp zwölf Prozent hinauskamen, lässt manche Fragen offen. Kontrolle ist wichtig, aber reicht das Aufdecken allein aus? Oder wollen die Menschen nicht lieber doch Sachpolitiker, die die Zukunftsfragen klar ansprechen, die eine soziale, wirtschaftliche und ethische Vision für ein Land haben? Der SPÖ-Kandidat Peter Kaiser und die neu formierte ÖVP-Mannschaft haben das zumindest versucht.
In Niederösterreich hat Erwin Pröll zwar einiges an Stimmen an die Nichtwähler und an das Team Stronach verloren. Das Antreten des reichen „Onkels aus Kanada“ und der medienwirksame Schlagabtausch mit ihm hat ihm aber auch genützt. Durch die ÖVP ging ein zusätzlicher Motivierungsschub und im „Kampf der Giganten“ ging der veritable Spekulationsskandal mit Wohnbaugeldern fast unter. Dass es das Team Stronach in beiden Fällen locker in den Landtag schaffte, könnte man als vermutlich kurzfristiges Polit-Intermezzo abtun. Wären da nicht die Nationalratswahlen im Herbst: Die FPÖ hat einen veritablen Konkurrenten beim Fischen von Proteststimmen erhalten. Und es ist zu befürchten, dass sie im Kampf gegen Stronach voll auf die Anti-Ausländerkarte setzt, da der Austro-Kanadier in diesem Bereich bisher sehr zurückhaltend war. Das kann grauslich werden.