Jetzt beim Konklave ist viel vom Heiligen Geist die Rede. Zu Recht. Vertrauen wir doch darauf, dass der Geist Gottes in dieser entscheidenden Phase der Kirche ganz besonders beisteht. Die Atmosphäre des Konklaves ist dazu angetan, dass der Heilige Geist mitreden kann: keine Hektik, viel Zeit fürs Gebet, viel Stille. Aber man sollte nicht vergessen, dass er vermutlich auch vor dem Konklave höchst aktiv war: bei den täglichen Versammlungen der Kardinäle, wo vielleicht so manches Statement eines Kardinals zu einer überzeugenden Empfehlung für einen Kandidaten geworden ist. Auch auf den Gängen in den Pausen war er da, als man einander fragte: „Wen wählst denn du?“ Wenn es wieder ähnlich abgelaufen ist wie vor dem Konklave 2005, fielen sogar noch abends wichtige Entscheidungen. Die bestens informierten italienischen Vaticanisti wissen, dass damals südamerikanische Kardinäle, die allesamt dem Opus Dei nahestanden, unentschlossene Kardinäle einluden und sie intensiv auf Kardinal Ratzinger hinwiesen. – Das Wirken des Geistes Gottes hat ganz viele Facetten, es lässt sich nicht eingrenzen, es lässt sich auch nicht einfach beschreiben – Aber wir dürfen uns auf ihn verlassen, gerade jetzt.