Der Petersplatz war zum Bersten voll, die Spannung hoch, als Kardinal Jean-Louis Tauran am Mittwochabend vergangener Woche die Mittelloge des Petersdomes betrat und sagte: „Ich verkünde Euch eine große Freude: Wir haben einen neuen Papst – Jorge Mario Bergoglio, der sich den Namen Franziskus gegeben hat.“ Als dienstältester und somit ranghöchster Kardinaldiakon war es Taurans Aufgabe, die erfolgreiche Papstwahl öffentlich auszurufen. Dass der Franzose an Parkinson leidet, war dabei nicht zu übersehen.
Spitzendiplomat des Vatikan
Jean-Louis Tauran gilt als Mann der klaren Worte, als sachorientiert, als einer, der eher im Hintergrund wirkt. Geboren wurde er 1943 in Bordeaux. Nach seinem Studium der Philosophie und Katholischen Theologie in Toulouse und Rom wurde er 1969 zum Priester geweiht. Es folgte ein Doktorat in Kirchenrecht, bevor er 1975 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls eintrat und u. a. in der Dominikanischen Republik, im Libanon, in Haiti und in Syrien arbeitete. 1990 kehrte er in den Vatikan zurück, wurde 1991 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof geweiht und war bis 2003 als Spitzendiplomat für die Auswärtigen Beziehungen des Vatikan im vatikanischen Staatssekretariat tätig. Danach wurde er zum Kardinal erhoben. Gesundheitlich angeschlagen, trat er etwas kürzer und arbeitete ein paar Jahre als Archivar und Bibliothekar des Vatikan, bis er 2007 von Papst Benedikt XVI. zum Präsidenten des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog berufen wurde. Am 5. April wird Jean-Louis Tauran 70 Jahre alt.