Wir sind eine Gesellschaft der Stellvertreter/innen: Stellvertretend für seine Klienten streitet der Rechtsanwalt vor Gericht. Stellvertretend für die Kinder kümmern sich die Eltern darum, dass Probleme in der Schule gelöst werden. Stellvertretend für die Arbeitnehmer/innen kämpfen die Betriebsräte um betriebliche Gerechtigkeit.
Stellvertreten zu werden, ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Wir regeln nicht, wir lassen regeln: Der Versicherungsmakler kümmert sich um die Abwicklung von Schadensmeldungen, die Nachbarin klärt die Situation mit dem Nachbarn, wenn dicke Luft herrscht, die Bürgerinitiative kümmert sich um gute Lebensbedingungen, der Arzt nimmt mir die Verantwortung für meine Gesundheit ab ... Und die Medien sagen, was wichtig ist. Verstehen da, an Stellvertretung gewohnt, manche das Wort Stellvertreter falsch, wenn es um den Papst geht? Der Applaus für Papst Franz lenkt von den Applaudierenden ab. Wenn sein solidarisches Verhalten – mit den Armen, mit der Umwelt – so sehr gefällt, müsste da nicht die Welt ganz anders aussehen? Alle Beifall-Spender/innen könnten tun, was ihren Applaus auslöst!
Oder meint der Applaus: mach du das für uns? Wir lassen uns stellvertreten!