Einmal im Monat lädt Mathias Skerlan zwölf – manchmal auch mehr – Obdachlose in sein Restaurant Cose Cosi am Linzer OK-Platz. Sie erhalten ein dreigängiges Menü und ein Getränk. Und sie werden wie zahlende Gäste behandelt, denn der Wirt will ihnen auf Augenhöhe begegnen.
Zur Überreichung des Solidaritätspreises kam Mathias Skerlan mit seinem Team, alleine wollte er nicht auf die Bühne, „weil ich ja nur ein Teil von dem Ganzen bin“, wie er bescheiden meinte. Aber er hat den entscheidenden Anteil daran, dass seit April 2012 monatlich zwölf Obdachlose in seinem italienischen Lokal am OK-Platz 1 hervorragend verköstigt werden. „Ich will halt nicht nur jammern über die schlechte Welt, ich will was tun!“
Auf Augenhöhe
Für den 52-jährigen gebürtigen Burgenländer ist eines ganz wichtig: „Ich möchte den Leuten, die zu mir kommen auf Augenhöhe begegnen“, sagt er. Quasi als seine persönlichen Vorbilder nennt er Prälat Leopold Unger und Helmut Schüller und deren Arbeit bei der Caritas.
Anfängliche Schwellenangst
Bei der Organisation wird er von Dr. Georg Wagner von der Diakonie und Axel Tigger unterstützt. Im Linzer Of(f)‘n-Stüberl muss man sich für die Tafelrunde, die jeden ersten Montag im Monat stattfindet, anmelden. Als „Pfand“ werden 2 Euro abkassiert, die beim Erscheinen im Lokal wieder retourgegeben werden. „Wir wollen einfach Verlässlichkeit. Klar haben manche Berührungsängste. Wir haben auch erlebt, dass bei den ersten Terminen die Leute vor dem Eingang auf und ab gegangen sind, bei der Tür hereingeschaut und sich wieder umgedreht haben. Man musste sie regelrecht hereinholen, allein haben sie sich nicht getraut“, erklärt Axel Tigger, der den Kontakt zu den Obdachlosen hält.
Die Spirale dreht sich schnell
Auch Georg Wagner bestätigt, dass der soziale Kontakt zu anderen Menschen bei Obdachlosigkeit schnell abbricht. „Arbeitslosigkeit, Scheidung und Krankheit sind oft Auslöser dafür, dass jemand seine Miete nicht mehr zahlen kann. Und wenn man einmal auf der Straße steht, ist man ganz schnell allein“, erzählt er. Skerlan meint, in seinem Lokal sollen die Männer und Frauen wieder das Gefühl haben, ein gleichwertiger Teil der Gesellschaft zu sein.
Immer mehr Helfer an Bord
„Am Anfang war mir das mediale Interesse eigentlich nicht so recht. Aber es hat den guten Effekt, dass sich schön langsam Unterstützer der Aktion einfinden“, lächelt der Cose Cosi Chef. So übernimmt im Juli Andreas Reindl (Remax Danubia Linz) die Rechnung für eine Tafelrunde. Und man ist weiter auf Sponsorensuche. „Für Unternehmen ist der Betrag ja nicht wirklich das Thema und wir bieten die Möglichkeit, dass das Geld wirklich bei den Betroffenen ankommt“, argumentiert Skerlan.
Große und kleine Spenden helfen
Als neueste Aktion sollen in Kürze „Bausteine“ im Cose Cosi aufliegen. Wer einem Obdachlosen ein Menü finanzieren will, kann um nur 12 Euro so einen Baustein erwerben.
Und wenn man schon da ist, sollte man auch das kulinarische Angebot nutzen. Skerlan verwendet für seine Speisen vorrangig saisonale und regionale Ware. Außerdem sind Menschen, die vegetarische, vegane oder glutenfreie Kost bevorzugen (müssen) bei Mathias Skerlan gut aufgehoben. Sogar der Pizzateig wird (auf Vorbestellung) ohne Weißmehl hergestellt. Die Nachhaltigkeit beim Essen hat Skerlan auch ganz bewusst in seinem Programm, denn „wer bewusst isst, verändert Mutter Erde zum Wohle unserer Kinder.“