Wo Menschen einander grüßen, dort ist gut sein. Auch Kirche kann man so verstehen: als eine große Grußgemeinschaft.
Leitartikel von Matthäus Fellinger
Ausgabe: 2013/23, Begrüßen, Begegnungen
04.06.2013
- Matthäus Fellinger
Grüß Gott! Pfiat Gott! So grüßt man hierzulande. Hallo und Ciao. So auch. Wo Menschen einander grüßen, dort ist gut sein. Wer grüßt, zeigt: Mit dir will ich zu tun haben. Wenigstens um zu grüßen hat jemand vorbeigeschaut. Gut tut das. Und wenn gar keine Zeit ist, so lässt man doch Grüße ausrichten, damit der andere weiß: Ich bin nicht vergessen, bedeute ihm etwas.
Begegnungen, die sich zwischen einem Grüß Gott und Pfiat Gott, zwischen Hallo und Ciao, ereignen, haben die Chance, gute Begegnungen zu werden. Gerät man in eine Gesellschaft, in der keiner den anderen grüßt, fühlt man sich unbehaglich. Da arbeiten sie nebeneinander her statt miteinander, da sind sie mehr Konkurrenten als Kollegen, jeder problemlos ersetzbar. Es verbindet sie nichts.
Auch so kann man Kirche verstehen: als eine große Grußgemeinschaft. Wer sich fragt, was hat denn das Zweite Vatikanische Konzil gebracht, so dies: Es hat die Christen wieder grüßen gelehrt, ganz zentral sogar in der Messe. Echt – und nicht nur symbolisch. Man reicht einander die Hand und wünscht Frieden. Das Buckeln, die Titel und Ehrenbezeugungen hat es an den Rand gerückt. Glaube braucht Handschlagqualität. Ciao.