16.12.2017

Sonntag

Sonntag: Auf den Punkt gebracht

Wer seine Botschaft „rüberbringen“ will, setzt auf kurze Sätze. Auf knappe und bündige Wortfolgen, die - ohne zu verkürzen - dennoch etwas auf den Punkt bringen und die man sich leicht merken kann. Der Apostel Paulus macht das in seinem Brief an die Thessalonicher auf einprägsame Weise: „Prüft alles und behaltet das Gute!“

P. Christoph Müller OSB, Benediktiner-Mönch, ­Buchautor, Pfarrer von Blons, St. Gerold und Thüringerberg, Dekan für Walgau-Walsertal. Den Autor erreichen Sie unter sonntag@koopredaktion.at

Wort zum Sonntag

Das versteht jeder

„Ketchup please“ – „Verzieh dich!“ – „Super Schnitzel heute!“ – „Bisch online?“
Pädagogen klagen, dass 50 Prozent der heutigen Kinder, die eingeschult werden, Sprachpatienten sind, kaum mehr fähig, einen ganzen Satz zu bilden. Beides wäre natürlich ­ideal: Ganze Sätze formen zu können, aber auch ­imstande zu sein, einen Sachverhalt auf ­wenige Worte zu reduzieren. Paulus beherrschte beides. Petrus beklagte sich einmal in einem Brief, dass bei seinem Kollegen Paulus „einiges schwer zu verstehen“ sei. Dieser aber ­konnte durchaus auch anders: „Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Prüft alles und behaltet das Gute!“ Das versteht jeder.
„Freut euch zu jeder Zeit!“, schreibt einer, der die Härten des Lebens kannte. Diese Freude ist kein billiges Smiling, nicht das „Cheese“ der Reklame, sondern eine innere Freude, die aus dem Wissen kommt, dass Jesus bei mir ist, zu jeder Zeit und in jeder Lebenslage.
Dann: „Betet ohne Unterlass!“ Etwas ganz ­Einfaches. Paulus sagt nämlich anderswo, dass der Geist Gottes ständig in mir betet. Das ­bedeutet also, dass in mir, noch bevor ich zu beten beginne, bereits eine Verbindung zum Vater besteht. Online. Ich brauche mich also nur bewusst in diese hineinzubegeben. Das ist überall und jederzeit möglich.
Und schließlich: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ Was für ein Wort. Wir sollen alles prüfen, ohne Angst, Misstrauen, Voreingenommenheit. Alles. Um dann das Gute davon zu behalten. Es fällt schon schwerer, das auch ­Jugendlichen zuzugestehen. Sie dabei betend zu begleiten und ihnen zuzutrauen, einen Spürsinn für jenes Gute zu entwickeln, das sie im Leben weiterbringt – negative Erfahrungen mit eingeschlossen. Denn diese gehören dazu. Das wissen wir im Rückblick selber sehr wohl.

Zum Weiterdenken

Ich nehme einen der Kurzsätze des Paulus in meinen Alltag mit und wiederhole ihn immer wieder.

3. Adventsonntag (Sonntag „Gaudete“) – Lesejahr B, 17. Dezember 2017

 

Evangelium

Johannes 1,6–8.19–28
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. [...]
Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du? Er bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Christus.
Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben.
Was sagst du über dich selbst? Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern. Sie fragten Johannes und sagten zu ihm: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elija und nicht der ­Prophet? Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt; ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Dies geschah in Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

1. Lesung

Jesaja 61,1–2a.10–11
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir. Denn der HERR hat mich gesalbt; er hat mich gesandt, um den Armen frohe ­Botschaft zu bringen, um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind, um den Gefangenen Freilassung auszurufen und den Gefesselten Befreiung, um ein Gnadenjahr des HERRN auszurufen. [...]
Von Herzen freue ich mich am HERRN. Meine Seele jubelt über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt. Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt und der Garten seine Saat sprießen lässt, so lässt GOTT, der Herr, Gerechtigkeit sprießen und Ruhm vor allen Nationen.

2. Lesung

1 Thessalonicher 5,16–24
Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus. Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute! Meidet das Böse in jeder Gestalt! Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun.

Bildquelle: luke porter / unsplash.com

Autor/in:  P. Christoph Müller OSB

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