25.10.2016

Kultur

Eine Haltung, die nachwirkt

Bewegend war die Aufführung des Stücks „Jägerstätter“ am 23. Oktober 2016 in den Kammerspielen. Anschließend lud die KirchenZeitung zur Podiumsdiskussion mit Bischof Manfred Scheuer und Künstler/innen ein. 200 Zuseher/innen nahmen teil.

An der Gesprächsrunde über Jägerstätter nahmen Julian Sigl (Franz) und Ines Schiller (Franziska) teil.

Bischof Manfred Scheuer erzählte, dass ihn Autor Felix Mitterer vor dem Schreiben besucht habe.

Dramaturg Franz Huber beschrieb Felix Mitterers Werk als „poetisches Volksstück, eine Liebesgeschichte, kein dokumentarisches Stück. Es geht darum Haltung zu zeigen.“

Die Rolle der Kirche und des damaligen Kapitelvikars war unter anderem Thema des Gesprächs, das auf der Bühne stattfand. Chefredakteur Matthäus Fellinger leitete die Diskussion – und beleuchtete eingangs die Rolle der KirchenZeitung. Der Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter kam 1946 in der Berichterstattung des damaligen Kirchenblatts nicht vor. Aus Rücksicht auf all die Gefallenen und Heimkehrer, die schwer vom Krieg gezeichnet waren, war man zurückhaltend.  Es war aber auch die KirchenZeitung, die Jahre später das Schicksal von Franz Jägerstätter wieder aus der Versenkung holte. 1963 schrieb der Priester Franz Baldinger anlässlich des 20. Todestags von Franz Jägerstätter einen Artikel in der KirchenZeitung mit dem Titel „Er folgte seinem Gewissen“. Baldinger war Seelsorger im Wehrmachtsgefängnis in Linz gewesen und hatte vergeblich versucht, Jägerstätter von seinem Entschluss abzubringen. Am Ende des Beitrags schreibt Baldinger: „Ja, das war ein Heiliger, denn er hat für seine Gewissensüberzeugung alles geopfert, seinen Besitz, seine Familie, sein Leben.“ KiZ-Redakteurin Erna Putz forschte ein Jahrzehnt später intensiv über Jägerstätter und verfasste dazu auch mehrere Publikationen. 

Eine Rolle, die sehr nahegeht

Bischof Manfred Scheuer antwortete auf die Frage: „Was macht Franz Jägerstätter zum Seligen?“, folgendermaßen: „Jägerstätter war zunächst kein Pazifist. Christ und Nationalsozialist zu sein, war aber für ihn unvereinbar. Er wollte dem Nationalsozialismus nicht mal den kleinen Finger geben. Er wollte sich zu Christus bekennen, nicht zum ,Führer‘. Es geht um die Unterscheidung der Geister. Jägerstätter hatte die Fähigkeit, das Ende einer Entwicklung abzusehen. Und dieser Blick ist auch für gegenwärtige und persönliche Bezüge notwendig.“ Schauspieler Julian Sigl hatte die Rolle des Franz Jägerstätter gerne angenommen, erzählt er: „Es war eine tolle Herausforderung. Die Geschichte mit seinen Kindern ging mir sehr nahe, ich habe selber zwei Kinder, wenn ich das auf mein Leben übertrage ... – bis jetzt ist mir eine Rolle noch nie so nahegegangen.“ Schauspielerin Ines Schiller war von Franziska Jägerstätter angetan: „Die Größe dieser Frau hat mich beeindruckt. Sie war so tapfer, so mutig. Sie hat ihn freigelassen  aus Liebe. Wenn ich nur zehn Prozent von ihr hätte ...“ Beide Schauspieler waren sich zum Schluss einig: „Eigentlich hätte Franziska Jägerstätter die Seligsprechung  verdient.“ 

Bildquelle: Kiz/wallner (3), Brachwitz

Autor/in:  Elisabeth Leitner

Keywords: 2016/43

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