19.01.2018

Lokales

Die vielen Alternativen zum Frösteln

Der Winter ist zurück. In den Kirchen und Pfarrgebäuden laufen die Heizkörper somit wieder auf Hochtouren. Wie können Energiekosten gespart werden, ohne dass die Gläubigen in der kalten Kirche zittern müssen?

Kirchenbankheizungen sind weit verbreitet und eignen sich gut für eher kurzzeitigen Einsatz.

Biomasse als Alternative zum Öl.

Die Zeiten, als die Gläubigen fröstelnd in den Kirchenbänken sitzen mussten, sind wohl in den meisten Pfarren längst vorbei. Die behagliche Wärme geht natürlich ins Geld, was viele Pfarren dazu veranlasst, im Winter eine Heizungssammlung durchzuführen. Gerade unter kleinen Land-Pfarren, wo das Heizen anteilsmäßig einen besonders großen Budgetposten ausmacht, ist das weit verbreitet. Zudem versuchen viele Pfarrgemeinden ihre Heizkosten nachhaltig zu senken. Gerade bei den Pfarrheimen gibt es ein großes Einsparungspotential durch thermische Sanierungen. So wie in Laakirchen, wo genau das im Jahr 2014 bei Pfarrhof und Pfarrheim passierte. Neue Fenster, bessere Isolierung und der Austausch einer alten Gastherme zeigten Wirkung. Lagen die Heizkosten noch vor der Renovierung jährlich im Schnitt bei 6.000 Euro, sind sie heute im Schnitt bei 4.000 Euro. Obwohl diese Zahlen je nach Strenge des Winters variieren ist klar, dass thermische Sanierungen ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind. 

Passivhauskirche in Wels

Etwas anders gelagert ist der Fall in der Pfarre Wels-St. Franziskus. Das 2005 eingeweihte Pfarrzentrum ist von Beginn an ein ökologisches Musterprojekt – der Bau ist ein Passivhaus mit Photovoltaik-Anlage. Die Heizkosten belaufen sich in etwa auf 4.500 Euro. „Die Zahlen können jedoch nur über den Einkauf der Pellets ermittelt werden“, erläutert Alfred Franke, Obmann des Finanzausschusses von Wels St. Franziskus. Zu beachten sei, dass mit der Heizung (im Sommer zusätzlich Solarthermie) die gesamte Pfarranlage inklusive zweier ganzjährig bewohnter Wohnungen mit Wärme und Warmwasser versorgt wird.

Zentrale Heizungssteuerung

Doch auch ohne Passivhauskonzept oder thermische Sanierungen lässt sich in den Pfarren einiges bewirken in Sachen Klimaschutz. „Wir schalten unsere Sitzbankheizung nur noch kurz vor dem Gottesdienst ein. Am Beginn der Messe sind diese dann schon angenehm warm“, erzählt Wolfgang Kumpfmüller, Diakon in Niederthalheim. Bei kleinerer Feiergemeinde könne man zudem gezielt einen Teil der Kirchenbankheizung ansteuern. Die Heizkosten der kleinen Pfarre (800 Katholiken) lagen zuletzt bei rund 7.100 Euro pro Jahr, wobei die Pfarre durch eine mit Hackschnitzelheizung betriebene Nahwärme versorgt wird. „Unsere Räume werden viel genutzt und frieren soll keiner“, betont Wolfgang Kumpfmüller. Eine moderne Steuerung sorgt jedoch für eine möglichst effiziente Heizung in Niederthalheim. 

Die Pfarre Niederthalheim setzt damit einige der Energiespar-Tipps des diözesanen Fachausschusses für Schöpfungsverantwortung für Kirchengebäude um. Diese umfassen unter anderem die richtige Heizungssteuerung, das Vermeiden von Zugluft und das rechtzeitige Abschalten der Heizung. Sollte eine Sanierung des Kirchengebäudes geplant werden, kann man sich die Empfehlungen der Energieagentur des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen durch den Kopf gehen lassen. Diese rät dazu, die Fußkälte mittels Wärmedämmung am Boden zu vermindern. Aufwendig in der Nachrüstung, aber durchaus sinnvoll kann auch eine Fußbodenheizung sein.

Egal zu welcher Maßnahme gegriffen wird: Jedes Grad an Temperatur kostet ordentlich. Eine Steigerung um lediglich ein Grad erhöht den Energieverbrauch um fünf bis sechs Prozent. Genug Gründe und Handlungsanleitungen also, um Energiesparmaßnahmen ins Auge zu fassen. Noch dazu, wo deutsche Forscher nach Jahren sinkender Preise bei Gas und Öl künftig eine Steigerung auf den Rohstoffmärkten erwarten. 

Bildquelle: Fotolia/Bumann; fotolia/Bildagentur-o., Fotolia tchara

Autor/in:  Paul Stütz

Keywords: 2018/03

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