28.11.2017

Lokales

Barbara im Hightech-Tunnel

Der Mensch verlässt sich beim Bau und bei der Nutzung von Straßentunneln auf hochspezialisierte Technik – und auf die heilige Barbara.

Statue der hl. Barbara im Schweizer St. Gotthardtunnel: Der längste Eisenbahntunnel der Welt wurde 2016 eröffnet.

Tunnel haben ein Hightech-Sicherheitssystem.

Tunnelpatin Gabriele Lackner-Strauss an der Nische mit der hl. Barbara, Götschka-Tunnel.

Die Statue der hl. Barbara, ein Geschenk an Gabriele Lackner-Strauss.

Die Autos rauschen mit 100 Stundenkilometern durch den Straßentunnel. Er ist durchzogen von einem Sicherheitssystem. Videokameras und Brandsensoren wachen über die Fahrerinnen und Fahrer. Mikrofone erkennen Unfallgeräusche und lösen Alarm aus. Doch der Mensch verlässt sich nicht nur auf Technologie. Denn in der grauen Betonwand ist eine Nische. Hinter der Gittertür steht eine kleine Statue, kaum erkennbar beim Vorüberfahren. Die heilige Barbara.

Schutzpatronin und Tunnelpatin

Der Legende nach wurde die hl. Barbara von ihrem Vater in einem Turm eingesperrt und gefoltert, weil sie sich zum Christentum bekannte. Bevor sie getötet wurde, hat sie sich in einem Felsspalt versteckt. Deshalb gilt sie als Schutzpatronin der Bergleute. Bis heute haben sie das nicht vergessen. „Wenn der Durchbruch des Tunnels gelungen ist, wird gefeiert, und die heilige Barbara ist dabei ein wichtiger Bestandteil“, sagt Christoph Pollinger von der Asfinag, einer Aktiengesellschaft des Bundes. Sie plant und betreibt die Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich. Wird ein Tunnel gebaut, ist sie auch für die Patinnenauswahl zuständig. Denn jeder Tunnel hat eine Patin. Deshalb heißt der Tunnel Götschka im Mühlviertel „Gabi-Tunnel“, nach der Landtagsabgeordneten Gabriele Lackner-Strauss. Die Patin gilt als Stellvertreterin der hl. Barbara auf Erden. Das hat Gabriele Lackner-Strauss ernst genommen. Sie war nicht nur beim Feiern dabei, sondern hat die Arbeiter auch besucht: „Das sind unheimlich gläubige Menschen mit großem Respekt vor dem Berg.“ Ein Arbeiter kam beim Bau ums Leben. Tief betroffen hat sich Gabriele Lackner-Strauss um eine Trauerfeier gekümmert. Sein Bild ist im Tunnel neben der Barbara-Nische angebracht.

Der Berg lebt

Die Bergleute – Mineure – arbeiten schwer, trotz aller Technik. Sie sind gefährdet durch eintretendes Wasser, herabfallende Felsen und den Einsatz großer Maschinen auf engem Raum. „Du Schutzpatronin Barbara, du Helferin in Not, sei in der Grube immer da, wenn uns Gefahr bedroht!“, schrieb ein Bergmann aus Puchkirchen. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen. Trotzdem ist die Anzahl in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Das hat mit den hohen Sicherheitsvorkehrungen zu tun. Vielleicht gehört auch die kleine Statue in der Nische dazu.

Die jährliche Barbarafeier der voestalpine gemeinsam mit der Betriebsseelsorge findet am Sonntag, 3. Dezember 2017, 11 Uhr in der Pfarrkirche Linz-St. Michael/Bindermichl statt.

Bildquelle: Reuters/Arnd Wiegmann, Lackner-Strauss, ASFINAG, WKO

Autor/in:  Christine Grüll

Keywords: 2017/48

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