BRIEF_KASTEN
„Die Beine machen nicht mehr mit!“ So hört man bisweilen einen alten Menschen seufzen. Bei einem anderen ist es das Gehör, wieder bei anderen der Kopf, der Namen und andere Belange nicht mehr recht behalten will. Selbst der besttrainierte Fußballstar bekommt Probleme mit seinem Körper. Er mag noch so gut sein – ein lädiertes Knie wirft ihn aus der Bahn.
„Leib Christi!“ sagt der Priester oder die Kommunionspenderin, nimmt das weiße Stück Brot aus der Schale und reicht es in die geöffnete Hand. Das ist die intensivste Gottesbegegnung, wie sie die Kirche deutet und feiert – zu Fronleichnam zum Beispiel.
Der Leib ist nicht die große Schwachstelle des Menschen, das Hindernis, das ihn von den Freuden des Lebens abhält. Gott zeigt sich nicht auf die Art antiker Gottesvorstellungen in wohlgeformten athletischen Göttergestalten. Im Leib, der sich verbraucht hat, der sogar zum Opfer geworden ist, offenbart sich Gott.
Das birgt eine starke Hoffnung. Der Mensch, angenommen in seinen Schwächen mit seinem Leib, der sich abgenutzt hat und müde geworden ist, schließlich stirbt – ist trotzdem ganz Mensch.
Viele beklagen den Zustand der Kirchen in Europa. Sie seien nicht mehr anziehend genug. Aber nicht ihre Attraktivität, sondern wie sehr sie „leiblich“ geworden sind, sich wirklich einbringen in das Menschliche, macht christliche Gemeinschaften glaubwürdig.
So begegnet Jesus den Seinen: Auch wenn die Beine nicht mitmachen und es schwer mit dem Hören und Sehen geworden ist: Du bist ganz Mensch.
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