BRIEF_KASTEN
Der ehemalige Botschafter (Nuntius) des Vatikans in Washington, Erzbischof Carlo Maria Viganò, wirft Franziskus vor, davon gewusst, das aber ignoriert zu haben. Beweise für die Vorwürfe gibt es nicht. Nehmen wir an, dass Viganòs Version stimmt: dann hätte der Vatikan tatsächlich lange Zeit zumindest zu lasch reagiert. Dann wären die Fehler jedoch auch schon bei Franziskus‘ Vorgängern, Johannes Paul II. und Benedikt XVI., passiert. Viganò spart beide in seiner Kritik größtenteils aus. Wer vollständige Aufklärung will, agiert anders, als es der ehemalige Botschafter tut. Stattdessen konfrontiert er in seinem Rundumschlag Franziskus mit Rücktrittsaufforderungen. Das mutet wie eine neuerliche Kampagne aus dem erzkonservativen Eck gegen den Papst an. Nicht zufällig ist wohl, dass mehrere konservative katholische Medien Viganòs Brief veröffentlichten, um gegen den Papst Stimmung zu machen.
Die Vorwürfe gegen Franziskus sind dennoch ernst zu nehmen und sachlich zu prüfen. Papst Franziskus wäre gut beraten, wenn er sein Schweigen zu den Vorwürfen lieber heute als morgen bricht.
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