BRIEF_KASTEN
Wie ist Ihre Bilanz von der Vorsynode?
Eva Wimmer: Es war eine total spannende und extrem bereichernde Zeit, alleine schon wegen der kulturellen Vielfalt der jungen Menschen, die aus allen Kontinenten zusammenkamen. Ich dachte, dass es schwierig wird, gemeinsame Standpunkte zu erarbeiten. Doch in meiner und in Folge auch in den anderen 19 Sprachgruppen wurde mir schnell klar, dass sich ein Anliegen herauskristallisierte: Die Jugend in der Kirche möchte gern mehr Raum haben, mehr Verantwortung übernehmen und besser gehört werden. Das war für mich absolut bereichernd und spannend, weil diese Aussage ein gemeinsamer Nenner für alle weltweit war.
Welche Forderungen kamen aus Ihrer Gruppe?
Wimmer: Wir forderten z. B. eine bessere Rolle und Stellung der Frauen in der Kirche und dass es mehr Frauen in Führungspositionen geben soll. Wir wünschen uns zudem, dass die katholische Kirche einen offenen Dialog mit anderen Religionen und Nichtgläubigen verstärkt in den Fokus nimmt und sich darum bemüht, da wir jungen Menschen das bei diesem Trefffen auch so gut geschafft haben. Genauso einen offenen Dialog fordern wir jetzt auch mit den Älteren in der Kirche. Wir jungen Leute wollen gehört werden. Insgesamt gab es 15 Fragen vom Vatikan, die wir in den einzelnen Sprachgruppen beantwortet und daraus einen Entwurf erstellt haben. Letztlich wurde das Schlussdokument am Palmsonntag an Papst Franziskus überreicht.
Ihr Wunsch im Vorfeld, dass Papst Franziskus die Vorsynode persönlich eröffnet, ist erfüllt worden. Wie sind Ihre Eindrücke vom Papst?
Wimmer: Ich bin sehr beeindruckt von ihm. Er forderte uns auf, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und dass wir etwas riskieren sollen. Papst Franziskus meinte, dass die Kirche uns Jugendliche braucht; er bezeichnete uns als Propheten für die Kirche und für die Zukunft. Das bestärkte uns alle noch einmal mehr für die Arbeit, die vor uns lag. Er wirkte sehr authentisch, offen und herzlich. Man hat gemerkt, es gefällt ihm, dass er unter jungen Leuten ist und mit uns diskutieren kann. Ich hatte nicht das Gefühl, er ist „der Papst“ – er hat wertschätzend auf Augenhöhe mit uns kommuniziert. Mit der Zeit, er sprach mit uns etwa vier Stunden, ist er immer lockerer geworden, hat mit viel Emotion Geschichten erzählt und gescherzt und ist immer wieder von seiner vorbereiteten Rede abgewichen. Nach der Palmsonntagsmesse war er für Selfies mit den Jugendlichen bereit und wurde total umstürmt.
Sind Sie guter Dinge, dass die Anliegen der jungen Menschen ernst genommen und tatsächlich in die Bischofssynode im Oktober einfließen werden?
Wimmer: Ja, denn der Papst hat uns zugehört und so oft betont, dass er unsere Arbeit ernst nehmen will, dass es wichtig ist, was wir machen. Auch Kardinal Lorenzo Baldisseri, der Generalsekretär der Bischofssynode, war bei jeder Sitzung und auch beim Abschlussfest in Castel Gandolfo dabei und hat mit uns Jugendlichen gequatscht. Jetzt wird es spannend für uns, was passiert. Ich hoffe und glaube daran, dass der Dialog, den wir jetzt gepflegt haben, weitergeführt wird.
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