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Religionsunterricht: Mensch sein dürfen

KIRCHE_OÖ

Werner Urbanz, Leiter des Instituts für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz, über die Ausbildungswege für Religionslehrer:innen und die Bedeutung des Unterrichtsfachs Religion.

Ausgabe: 18/2026
28.04.2026
- Josef Wallner
Werner Urbanz im Hörsaal.
Werner Urbanz im Hörsaal.
© Pädagogische Hochschule

Rund 1.400 Lehrkräfte unterrichten in Oberösterreich das Fach Katholische Religion. Dabei reicht das Spektrum von Religionslehrer:innen mit voller Lehrverpflichtung bis zu einigen wenigen Religionsstunden.

 

Auch wenn die Zahl der Katholik:innen und damit der Kinder, die Anspruch auf Religionsunterricht haben, abnimmt, ist es keine einfache Aufgabe, genug junge Menschen für den Beruf zu interessieren. Werner Urbanz, der das Institut Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz leitet, kennt die Situation und die damit verbundenen Herausforderungen. 

 

Neue Ausbildungswege

 

Er gibt einen groben Überblick über die im Detail sehr differenzierten Ausbildungswege. Wollte man früher Religionslehrer:in für Volks- oder Hauptschule werden, hat man die Religionspädagogische Akademie (RPA) an einer Pädagogischen Akademie besucht, wollte man an höheren Schulen unterrichten, inskribierte man an einer Theologischen Fakultät.

 

Das hat sich seit rund einem Jahrzehnt im Zuge von grundlegenden Änderungen der gesamten Ausbildung von Pädagog:innen völlig geändert. Wer an Volksschulen Religion unterrichten möchte, absolviert das zehnsemestrige Lehramtsstudium für die Primarstufe (1. bis 4. Schulstufe). Innerhalb dieser „Volksschullehrer:innen-Ausbildung“ ist das Fach Religion einer von drei Schwerpunkten, unter denen die Studierenden wählen können. Mit Abschluss des Studiums ist man Volksschul-lehrer:in, der/die aufgrund des gewählten Schwerpunkts als Religionslehrer:in tätig sein kann. 

 

Im Herbst werden dreißig Personen an der Pädagogischen Hochschule der Diözese mit dem Schwerpunkt Religion beginnen. „Da freuen wir uns sehr“, sagt Werner Urbanz über das wiederum zunehmende Interesse im Bereich Volksschule. Nach dürren Jahren ist das ein Lichtblick. Die Religions-Lehrbefähigung für die ganze Sekundarstufe von der Mittelschule übers Gymnasium bis zur BHS erwirbt man ebenfalls – ähnlich wie für die Volksschule – nur gemeinsam mit einem zweiten Fach. Dazu haben die Student:innen im Ausbildungsverbund „Österreich Mitte“ in Linz und Salzburg sechs Universitäten und vier Pädagogische Hochschulen zur Auswahl. 

 

Alles in Kombination

 

Wer zum Beispiel Mathematik und Religion studieren möchte, absolviert Lehrveranstaltungen etwa an der Johannes Kepler Universität (JKU), an der Katholischen Universität und an der Pädagogischen Hochschule der Diözese in Linz. Für Musik und Religion wird man statt der JKU an die Bruckner-Uni gehen oder auch an das Mozarteum in Salzburg. Den Kombinationsmöglichkeiten der Orte sind beinahe keine Grenzen gesetzt. 

 

Schon vor Corona hat das Interesse am Lehramtsstudium für die Sekundarstufe deutlich nachgelassen. Wahrscheinlich hatten hier die Diskussionen um das Unterrichtsfach Ethik für Unsicherheiten gesorgt, nun sieht Werner Urbanz aber auch hier einen leichten Aufwärtstrend. Im Schuljahr 2025/26 haben zehn Student:innen das Unterrichtsfach katholische Religion belegt, für Herbst hofft er auf mehr.

 

Da nicht nur ein Religionslehrer-, sondern allgemein ein Lehrermangel herrscht, wird das Lehramtsstudium ab 1. Oktober 2026 von sechs auf fünf Jahre verkürzt. Auch davon könnte das Fach Religion profitieren, erwartet Urbanz. Der Bibelwissenschafter Urbanz merkt, dass die Theologie immer wieder junge Menschen zu fesseln vermag, sobald sie in das theologische Universum eintauchen. Aber dass sie sich zu diesem Schritt entscheiden, ist offensichtlich nicht einfach.

 

Bedarf an Lehrkräften

 

Der Bedarf in den Schulen ist gegeben. Aufgrund der Kombination mit einem zweiten Unterrichtsfach ergeben sich hier für junge Leute attraktive Berufsoptionen im Bildungsbereich. Die geringe Anzahl von Studierenden bleibt aber ein Problem im Blick auf die benötigten Religionslehrer:innen an den Schulen. Auch wenn Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des Religionsunterrichts im staatlichen Schulsystem immer wieder für Debatten sorgen, spricht die Teilnahme doch eine andere Sprache.

 

Insgesamt besuchen 92 Prozent aller katholischen Schüler:innen den Religionsunterricht. Natürlich gibt es zwischen Volksschulen und Berufsschulen Unterschiede, aber der Wert bleibt aufs Gesamte gesehen seit Jahren stabil. „Ich glaube, die Schülerinnen und Schüler schätzen den Religionsunterricht, weil sie dort als Menschen Raum bekommen“, erklärt Urbanz. „Der Religionsunterricht kommt aus dem Bildungsanspruch, der ganzheitliche Aspekte beinhaltet: dass das Leben mehr als Leistung ist und dass man sein Leben verdankt wissen kann.“ 

 

Für die Schulkultur

 

Im konfessionellen Religionsunterricht geht es auch nicht nur um ethische Prinzipien, sondern er möchte aus dem Schatz der katholischen Tradition für die Schüler:innen Angebote zur Lebensgestaltung aufbereiten. Darüber hinaus habe der Religionsunterricht immer auch gemeinschaftlichen Charakter, ergänzt Urbanz.

 

Er weist auf die Schlüsselposition hin, die gerade im Religionsunterricht die Lehrkräfte einnehmen. Sie sind über ihren Unterricht hinaus oft für ihren Einsatz für die Schulkultur geschätzt: „Dass die Feiern interkulturell und interreligiös sind, ist selbstverständlich. Wir bemühen uns in der Ausbildung um die entsprechenden Kompetenzen.“

 

Hohe Akzeptanz

 

Urbanz ist sich bewusst, dass der Religionsunterricht seit einigen Jahrzehnten als Patient im Schulsystem gehandelt wird. Und doch ist seine Akzeptanz hoch, weil in ihm ein Wert gesehen wird. Darum macht er sich auch um die große Bildungsreform, die Minister Christoph Wiederkehr angekündigt hat und die im Fall einer Umsetzung zu weitreichenden Änderungen im Schulsystem führen würde, keine Sorgen: „Wenn nicht nur die ökonomische Dimension, sondern Bildung im großen Rahmen gesehen wird und wenn die Debatte ehrlich geführt wird.“     

 

 

 

Informationen 


Wer sich für ein Studium der Religionspädagogik (Primarstufe/Volksschule oder Sekundarstufe I und II/Mittelschule und Höhere Schulen) interessiert, findet Informationen auf folgenden Webseiten:

 

Primarstufe/Volksschule 
(6 Semester Bachelor und 
4 Semester Master) allgemein: www.phdl.at/studium/ausbildung/lehramt_primarstufe

 

Für Religion (Primar- und Sekundarstufe): 
www.phdl.at/studium/ausbildung/lehramt_religion

 

Für alle Lehramtsstudien in Linz – Linzer Lehramt Sekundarstufe (LiLeS): 
www.liles.at 

 

 

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