BRIEF_KASTEN
Nicht, dass er „nur“ für die Armen da wäre, aber doch so, dass ihnen seine besondere Zuwendung gilt. Und wenn sie sich noch so vergessen auf dieser Welt erleben, Gott vergisst die Armen nicht. Von einer „Option für die Armen“ sprachen die Befreiungstheologen, selbst Päpste schlossen sich dieser Interpretation der Haltung Gottes den Armen gegenüber an.
Ob Gott da nur die Leute mit wenig Vermögen meint? Es gibt nicht nur materielle, sondern auch die geistige Armut. Menschen also, die nicht die Begabung des raschen Begreifens, folgerichtigen Denkens und des vorausschauenden Planens mitbekommen haben, oder denen der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten fehlte. Menschen gehen oft ziemlich hart mit in ihren Augen „Dummen“ um. Doch wirkliche Dummheit ist eine Haltung, die sich gegen ihr eigenes Wissen stellt – wie der Geiz den Besitz lieber hortet als einsetzt. Und Gott? Vielleicht hat Gott auch für die „geistig Armen“ eine besondere Zuneigung – für jene mit den seltsamen Ansichten und unklugen Entscheidungen – weil sie Bedürftige sind. Wie gut täte es, wenn sich Menschen auch in ihren geistigen Unterschieden besser annehmen, sogar wertschätzen könnten – weil selbst der Klügste doch ein beschränkter und bedürftiger Mensch bleibt. Die Weisheit der Welt – sagt Paulus – bleibt Torheit vor Gott.
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