BRIEF_KASTEN
Ein Kritikpunkt an Köhlmeier war, er habe seine Rede zum falschen Anlass gehalten und so von den Opfern abgelenkt. Doch diese Argumentation leugnet den Sinn von Gedenkfeiern. Sie sind nämlich stets Akte der Gegenwart und haben eine heutige wie eine der Vergangenheit zugewandte Seite. Es ist wichtig, der Opfer des NS-Regimes zu gedenken. Aber dieses Gedenken war stets damit verbunden, dagegen anzukämpfen, wenn man heute Antisemitismus, Rassismus und fehlende Menschlichkeit wahrnimmt. Köhlmeier hat nichts anderes getan und einer Meinung Ausdruck verliehen, die er sicher nicht allein vertritt. Das Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten aus der Zone des gewohnten Rituals zurück in den notwendigerweise schmerzhaften Bereich geführt zu haben, ist daher sein Verdienst.
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