BRIEF_KASTEN
Ja, wir Städter sind manchmal ein allzu stolzes Völkchen! Mit Blick auf Institutionen wie Theater, Konzertsaal, Fußballarena und Nachtgastronomie pflegen manche die Behauptung, dass in der Stadt „der Bär steppt“, während sich auf dem Land „Fuchs und Hase gute Nacht sagen“.
Dieses Gerede ist aus zwei Gründen Unsinn. Erstens möchte man in freier Wildbahn lieber Fuchs und Hase als einem Bären begegnen. Zweitens stimmt die Aussage einfach nicht: Man nehme den vergangenen Sonntag in einem 1.000-Seelen-Dorf in Oberösterreich: Da hatte nicht nur die Kirche geöffnet, auch die Freiwillige Feuerwehr veranstaltete ein großes Fest. Als es sich seinem Ende näherte, wanderten viele Besucherinnen und Besucher nachmittags zum „Tag des offenen Bienenstocks“ des Imkervereins weiter. Für den Abend hatte die Mütterrunde zur Maiandacht geladen, die mit einem Zusammensein ausklang.
Dass sich jemand angesichts dieses Angebots fadisieren würde, war nicht zu erwarten – eher, dass der eine oder die andere eine Auszeit für einen Spaziergang oder eine Nachmittagsrast suchen muss. Denn dieses Sonntagsprogramm war durchaus fordernd. Als Stadtbewohner tut man daher gut daran, die Veranstaltungskalender von Landgemeinden mit gepflegter Vereinskultur anzusehen, bevor man das nächste Mal das falsche Märchen von Fuchs und Hase auftischt.
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