BRIEF_KASTEN
In Gottesdiensten trifft man die Leute, die man schon immer dort angetroffen hat. Andere, junge vor allem, kommen selten dazu. Ist unsere Gesellschaft wirklich gottfern geworden?
Statt auf die Anzeigetafel für die Kirchenlieder kann man einmal auf Musikcharts des „zivilen“ Lebens blicken. Statt auf Schubert, Haydn und Bach stößt man dort auf ganz andere Namen – und ich muss zugeben, ich kenne die wenigsten davon.
Artemas zum Beispiel. Mit „I Like The Way You Kiss Me“ (Ich liebe die Art, wie du mich küsst) steht der Brite an erster Stelle auf Ö3. Er singt dabei auch von der Angst, verlassen zu werden.
Derzeit an vierter Stelle: Benson Boone mit „Beautiful Things“. Mit diesem Lied lag er in mehreren Ländern schon auf Platz eins. Eigentlich interessant, denn zu den „schönen Sachen“ zählt er ausdrücklich Glaube, Friede und Liebe. „Es hat gedauert, aber ich habe meinen Glauben gefunden“, singt er und: „Ich habe Friede und Liebe.“ Und wie der zuvor genannte Artemis singt auch er von der Angst, sie zu verlieren.
Kaum ein Lied in den Charts ist zu finden, in dem es nicht irgendwie um Liebe – das Grundthema des Lebens und des Glaubens – ginge.
Wie fromm doch diese Lieder sind! Voll Glück und voll Sorge, dass man aus der Liebe auch hinausfallen könnte. Ist das nicht ein gar nicht so kleiner Hoffnungsschimmer? Dass junge Menschen, die solche Lieder singen und summen, etwas ganz Ähnliches spüren, wie es andere im Gottesdienst erleben? Und dass die Welt gar nicht so gottfern geworden ist?
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