BRIEF_KASTEN
„Mit der Perlenkette schaust du ziemlich alt aus“, sagte eines der jüngeren Familienmitglieder vor Kurzem zu mir. Würdevoll zuckte ich mit den Achseln. Leider musste ich dabei an die Altersflecken auf meinen Handrücken denken. Die Perlenkette, ein Geschenk meines Onkels vor vielen Jahren zum Schulabschluss, ließ ich wieder in der Schublade verschwinden. Und statt ans Alter zu denken, machte ich lieber einen Ausflug – zu einer Ruine.
Eine Ruine zu besuchen, noch dazu an einem sonnigen Tag, erhellt das Gemüt ungemein. Neben den ruinösen Mauern wirkt das eigene Ich erfrischend jugendlich. Meist liegt die Burg – oder das, was davon übrig ist – auf einem Hügel. Der Blick schweift bis zum Horizont. Was haben sich die Burgfrauen damals gedacht, als sie über dieselbe Landschaft geschaut haben? Haben sie sich hier oben erhaben gefühlt über alles Irdische? Oder haben sie an ein Schmuckstück gedacht, das sie hat alt aussehen lassen? „Die Menschen haben sich immer schon mit ihrem Äußeren und Inneren herumgeschlagen“, denke ich und mache es mir auf einem Mauerrest bequem. Eingebettet in den Lauf der Jahrhunderte, sind die eigenen kleinen Nöte wohltuend unbedeutend.
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