BRIEF_KASTEN
Endlich bin ich an der Reihe. Die Schlange vor dem kleinen Geschäft mit Leberkäse aller Sorten war lang. Ich bestelle ein Semmerl mit Käseleberkäse. „Wird’s gleich gegessen?“ Klingt irgendwie komisch. Warum muss hier der Verkäufer das Passiv verwenden und kann nicht einfach und ungekünstelt fragen: „Essen Sie die Semmel gleich oder soll ich sie einpacken?“
Ein paar Tage später sitze ich in einem Kaffeehaus, ganz vertieft in die Speisekarte. Soll ich zuerst doch eine kleine Jause bestellen und erst dann etwas Süßes? Unglaublich, wie groß die Auswahl ist. Ich blättere nach vor und dann wieder zurück. „Wird noch geschaut?“ – Ich habe die Kellnerin gar nicht bemerkt, die an den Tisch gekommen ist. Und wieder die Frage in der schrecklichen Passivform, in der Leideform, wie wir in der Volksschule sagten. In Passivsätzen sei es unwichtig, wer handle, meint die Grammatik. Trifft im Kaffeehaus aber gar nicht zu. Mir muss es schmecken. Die „Wird noch ...“-Erlebnisse könnte ich noch lange weiterführen. Jetzt hoffe ich aber nur, dass Sie Ihr Partner oder ihre Partnerin nicht fragt: „Wird noch lange in der KirchenZeitung gelesen?“
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