BRIEF_KASTEN
Reisen geht immer schneller. Züge und Flugzeuge erlauben den raschen Sprung in die Weite. Kaum mehr als einen Tag ist nötig, um die Hauptreiseziele auf der Welt zu erreichen. Zugegeben, außerhalb der Hauptstädte geht es auch heute in vielen Regionen der Welt langsam zu, an Nebenstrecken braucht es auch hierzulande Geduld.
Menschen fahren viel und sie fahren weit – aber wie viel an Welt-Erfahrung nehmen sie mit?
Mit dem Reisen ist es wie mit dem Konsum überhaupt: Wenn das Viel und das Weit wichtiger wird als die Intensität, dann wird es zur zerstörerischen Belastung der Welt.
Wie intensiv ist man wirklich dort gewesen? Je weiter eine Reise, desto mehr hat man gerade nicht erlebt. Am allergrößten Teil der Strecke ist man bloß vorbeigefahren, hat ein Riesenstück Welt übersprungen, ohne wirklich dort gewesen zu sein.
Reisegewohnheiten färben ab auf die Lebensgewohnheiten. Es geht um Aufmerksamkeit für den Ort, an den man gestellt ist. Menschen, Landschaften, Kulturdenkmäler: sie sind sonst nicht mehr als ein Fotomotiv – und die Bilder sieht man sich nicht einmal an. Das wäre ein lohnendes Reiseziel: die Fremde im eigenen Land zu entdecken – mit Neugier, als wäre man nie dort gewesen; die Gegenwart zu erkunden im Hier und im Jetzt; vertraut zu werden mit seinem Daheim.
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