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Inhalt:

Die Liebe zu alten Büchern

Kunst & Kultur

Hautnah Handschriften aus dem Mittelalter und den Tassilokelch ohne schützendes Plexiglas betrachten zu können, zählte für zwölf Studentinnen und Studenten aus Augsburg zu den Höhenpunkten ihrer Studienreise durch die Klosterbibliotheken im Land.

Ausgabe: 40/2019
01.10.2019
- Elisabeth Leitner
Inmitten von Büchern und alten Handschriften: Hier fühlten sich die Studentinnen und Studenten aus Augsburg sichtlich wohl. Neben St. Florian besuchten sie auch St. Peter in Salzburg, Lambach, Kremsmünster und Admont. Mit dabei: die ehemalige Vatikan
Inmitten von Büchern und alten Handschriften: Hier fühlten sich die Studentinnen und Studenten aus Augsburg sichtlich wohl. Neben St. Florian besuchten sie auch St. Peter in Salzburg, Lambach, Kremsmünster und Admont. Mit dabei: die ehemalige Vatikan
© KiZ/EL

Mit Block und Kuli, Fotoapparat und Smartphone stehen sie in der Bibliothek des Stifts St. Florian und hören zu, was Kustos Harald R. Ehrl über diesen Ort zu erzählen weiß. Der Geruch von Pergament und Leder liegt in der Luft. Die zwölf Studentinnen und Studenten aus Augsburg sind umgeben von Tausenden Büchern und Handschriften – und damit genau am richtigen Ort: Sie studieren „Mittelalterliche Geschichte“ und sind seit einer Woche auf Exkursion in Oberösterreich und Salzburg. Das Studium alter Handschriften gehört zu ihrem „Beruf“. Die Liebe zu alten Büchern teilen sie mit Christine Grafinger, der nun pensionierten Vatikan-Bibliothekarin. Sie ist seit Jahren Lehrbeauftragte der Universität Augsburg und begleitet die Studierenden: „Ich habe die Stiftsbibliotheken von Kremsmünster, Lambach, Admont, St. Peter in Salzburg und St. Florian im Vorfeld besucht. In Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen habe ich in jeder Bibliothek besondere Handschriften und Bücher ausgewählt, die wir uns in dieser Woche nun mit den Studierenden gemeinsam anschauen können.“ Warum Christine Grafinger ausgerechnet in Augsburg Lehrbeauftragte ist, liegt an Prof. Thomas Krüger. Er ist dort Professor und hat die Bibliothekarin vor 19 Jahren in Rom kennengelernt und sie vom Fleck weg engagiert. Seither gibt es immer wieder gemeinsame Exkursionen, um neue alte Handschriften in Europa zu studieren. Was ist dabei interessant? Zum Beispiel das Material, die Textauswahl, Schrift, Malerei, Sprache, der Zustand der jahrhundertealten Exemplare. „Die Bibeln waren keine Schaustücke, sie wurden verwendet“, weist Kustos Harald R. Ehrl auf Gebrauchsspuren hin. Flecken, kleine Löcher, am Rand hingekritzelte Kommentare zeugen vom Gebrauch. „In St. Florian liegt die wichtigste Handschrift der im Hochmittelalter europaweit rezipierten Augustinusregel im Original vor uns“, erzählt Prof. Thomas Krüger. Auffallend sei die Zugehörigkeit der Britischen Inseln zum europäischen Kulturraum. Motive wie der grüne Lebensbaum, der in Irland verbreitet war, finden sich in vielen Handschriften: Auch im Skriptorium – der Schreibwerkstatt –  des Stifts St. Florian wurden sie verwendet.

 

Lob der Gastfreundschaft

Beeindruckt sind die Besucher/innen nicht nur von den alten Büchern. „Ein hohes Lob an die benediktinische Gastfreundschaft“ spricht Christine Grafinger ebenso aus wie die Studierenden: „Von der Gastfreundschaft der Ordensbrüder war ich schlichtweg überwältigt“, sagt Student Adrian Gebrien, die Kolleginnen und Kollegen pflichten ihm bei. Dass sie der „St. Florianer Riesenbibel“ und dem echten Tassilokelch so nahe gekommen sind und die neuesten Erkenntnisse über den Tassilo-Liutpirc-Kelch von Abt Ambros Ebhart und Kustos Altman Pötsch aus erster Hand erfahren haben, zähle zu den Höhepunkten dieser Studienreise durch die Klosterbibliotheken.

 

 

Stiftsbibliothek St. Florian

Die Stiftsbibliothek zählt zu den ältesten und eindrucksvollsten Klosterbibliotheken Österreichs. Bei einem Gesamtbestand von etwa 150.000 Bänden besitzt die Stiftsbibliothek St. Florian 108.000 Bände aus der Zeit vor 1900. Den wertvollsten Schatz stellen die rund 800 mittelalterlichen Handschriften dar. Der prächtige spätbarocke Hauptsaal besticht durch die raumhohen, mächtigen Bücherregale. Das Deckenfresko (1747) von Bartolomeo Altomonte und Antonio Tassi zeigt die Vermählung von Tugend und Wissenschaft unter der Schirmherrschaft der Religion. 


IHR VORTEIL:

Ermäßigte Führung durch das Stift St. Florian mit der KiZ-Vorteilskarte, Infos: www.kirchenzeitung.at/vorteilskarte 

 

Inmitten von Büchern und alten Handschriften: Hier fühlten sich die Studentinnen und Studenten aus Augsburg sichtlich wohl. Neben St. Florian besuchten sie auch St. Peter in Salzburg, Lambach, Kremsmünster und Admont. Mit dabei: die ehemalige Vatikan-Bibliothekarin Christine Grafinger aus Gmunden (2. v. r.).   

Die Riesenbibel von St. Florian zählt zu den größten Handschriften Österreichs und dürfte um 1140/50 im Stift angefertigt worden sein. „Ein gewichtiges Buch für gewichtigen Inhalt“, erklärte Kustos Harald R. Ehrl.
Die Riesenbibel von St. Florian zählt zu den größten Handschriften Österreichs und dürfte um 1140/50 im Stift angefertigt worden sein. „Ein gewichtiges Buch für gewichtigen Inhalt“, erklärte Kustos Harald R. Ehrl.
© KiZ/EL
Kustos Harald R. Ehrl beeindruckte nicht nur durch sein Fachwissen, sondern auch mit seinem Orgelspiel am „Apfelregal“.
Kustos Harald R. Ehrl beeindruckte nicht nur durch sein Fachwissen, sondern auch mit seinem Orgelspiel am „Apfelregal“.
© KiZ/EL
Besuch in Kremsmünster. Abt Ambros Ebhart begrüßt alle – der Tassilokelch steht auf dem Tisch.
Besuch in Kremsmünster. Abt Ambros Ebhart begrüßt alle – der Tassilokelch steht auf dem Tisch.
© Stift Kremsmünster/Wolfgang Diesenreiter
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