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Der weibliche Blick auf den Mariendom

Kunst & Kultur

Mit den „Domfrauen“ erleben Besucher/innen den Linzer Mariendom von einer neuen Seite: Dreißig Frauen erzählen an verschiedenen Orten im Dom ihre Glaubensgeschichte. Regina Fürlinger ist eine von ihnen.
 

Ausgabe: 2018/20
15.05.2018
- Christine Grüll
© Dennis Herrmann (2)

Wenn Regina Fürlinger neben dem Chorgestühl steht, kann sie den mächtigen Raum des Mariendoms überblicken. Hier trägt sie einen Text vor, den sie für das Projekt „Domfrauen“ geschrieben hat. Wer ihr zuhört, bekommt eine Ahnung davon, was ihr der Dom bedeutet. Er ist ein Ort, für den sie „glüht“. Für die Säulen, die Halt geben, den sie sich auch für ihr Leben und für ihren Glauben wünscht. Sie glüht für die Pflastersteine im Dom, auf denen sie geht, um ihre tägliche Arbeit zu verrichten. Sie glüht für die Gottesdienste, an denen sie teilhaben darf, für die liebgewonnenen Menschen, die hier ein und aus gehen. Der Dom ist Regina Fürlingers Arbeitsplatz. Seit mehr als zwei Jahren ist sie Mesnerin. Als Domfrau kann sie nun ihre spirituelle Beziehung zum Dom an andere weitergeben.  

 

Weibliche Perspektive

„Ich habe mich als Mesnerin noch nie so wahrgenommen gefühlt“, sagt Regina Fürlinger, als sie erzählt, wie sie den Text zum ersten Mal vor Publikum vorgetragen hat. Regina Fürlinger ist eine von dreißig Frauen, die am Domfrauen-Projekt der Katholischen Frauenbewegung Oberösterreich teilnimmt. Die Frauen stehen an verschiedenen Orten im Dom und sprechen sehr persönlich über ihr Leben und ihren Glauben, über einen Ort, ein Fenster oder ein Bild. Das eröffnet nicht nur eine selbstbewusste, weibliche Perspektive auf den Kirchenraum. „Wenn es uns als Team gelingt, Besucherinnen und Besucher zum Hören, Verweilen und Entdecken einzuladen, haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Veronika Kitzmüller. Die Pastoralassistentin hat die Idee, den Kirchenraum mit den Geschichten von Frauen zu füllen, von einem Besuch im Bamberger Dom mitgebracht. Bei der Generalprobe war sie beeindruckt von der Freude der Frauen – und von den Hüten.

 

Behütet

Die Hüte sind ein auffälliges Erkennungsmerkmal der Domfrauen. Die Linzer Hutmacherin Susanne Dullinger hat jeden Einzelnen auf seine Trägerin abgestimmt. Was die Frauen erzählen, soll sich im Hut widerspiegeln. Regina Fürlingers Hut ist zart, luftig und türkis. Die kühle Farbe verhindert, dass sie verglüht, sagt sie in Anspielung an ihren Text: „Er stärkt mich in meiner Rolle.“ 

Licht und Schatten. Mesnerin sein in einem so großen Gebäude, das ist nicht immer einfach. Es gibt Zeiten, in denen Regina Fürlinger Dunkelheit, Kälte und Einsamkeit erlebt. Auch das bringt sie als Domfrau zur Sprache. Sie freut sich über die starke Präsenz der Frauen und knüpft eine Hoffnung an das Domfrauen-Projekt: „Dass Frauen sich bewusst sind, wie wertvoll sie sind.“ Für sie als Mesnerin ist es trotz mancher Herausforderung ein Geschenk, im Dom sein zu dürfen – „mit einem Schlüssel, der in der Früh die Türen öffnet und am Abend schließt“. «

 

Im Rahmen folgender Veranstaltungen sind die Domfrauen zu erleben: Herrenstraßenfest, 22. Juni 2018, 16 Uhr. Pflasterspektakel, 20. Juli, 16 Uhr. Ars Electronica Festival, 8. September, 16 Uhr. Lange Nacht der Museen, 6. Oktober, 20 Uhr. Lange Nacht der Bühnen, 10. November, 20 Uhr. Internationaler Frauentag, 8. März 2019, 16 Uhr.
Dauer: jeweils 1,5 Stunden, Treffpunkt: Domplatz.

 

Von Domspitz bis Kinderdom

© Hartl
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