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Klassik am Dom 2023

David Garrett im Interview: Die schönsten Dinge im Leben

KULTUR_LAND

Sein einziges Konzert während der Pandemie gab er in Linz. Warum David Garrett gerne auf dem Domplatz auftritt und wie Klassik auch die Jungen begeistern kann, erzählt er hier. 

Ausgabe: 25/2023
20.06.2023
- Elisabeth Leitner
m Sommer 2021 gab der Stargeiger hier für Klassik am Dom  sein einziges Konzert während der Pandemie.   Kiz/F. Litzlbauer, Volker Weihbold
m Sommer 2021 gab der Stargeiger hier für Klassik am Dom sein einziges Konzert während der Pandemie. Kiz/F. Litzlbauer, Volker Weihbold
© Volker Weihbold

Sie waren schon mehrmals in Linz, kennen den Mariendom von innen und von außen. Am 4. August kommen Sie wieder. Was macht für Sie den Flair des Domplatzes aus?


David Garrett: Im Sommer ist der Domplatz eine fantastische Location mit wunderschöner Atmosphäre. Es ist für mich eine große Inspiration, ein schönes Umfeld um mich zu haben. Gerade wenn man Open Air spielt, besonders mit Klassik, ist es toll, in einer Umgebung zu spielen, die auch optisch begeistert, während man auf der Bühne steht. Insofern ist der Domplatz sozusagen das ideale Outdoor Venue für ein Klassikkonzert.

 

Hat die Architektur des Raums für Sie eine besondere Wirkung? Können Sie da auch zur Ruhe kommen? Oder anders gefragt: Wo sind die Orte, an denen Sie zur Ruhe kommen können, um Kraft zu sammeln für Ihr Tourleben? 


Garrett: Ruhe sammelt man im Schlaf. Ich versuche auf Tour immer genug Schlaf zu bekommen, um Energie zu bekommen. Ich trinke keinen Alkohol, ernähre mich gesund und mache etwas Sport. Dinge, die das Tourleben noch zusätzlich erschweren, wenn man gerade viel zu tun hat, die lasse ich weg. Diese Disziplin ist mir sehr wichtig und dann wird das Tourleben auch nicht zu stressig. Ich glaube, man macht sich nicht mit den Konzerten kaputt, sondern eher mit dem Leben, das man drumherum führt. Das versuche ich so diszipliniert wie möglich zu führen, unter anderem mit Sport und Bewegung zwischendurch. 

 

Glauben Sie, dass mit einem ansprechenden, genreübergreifenden Programm, das Klassik, Heavy Metal und Pop/Rock einschließt, langfristig die Klassik überleben könnte? Sollten die Künstler:innen und Veranstalter:innen mehr Mut haben, in diese Richtung zu gehen oder sehen Sie das als Ihren individuellen Weg?


Garrett: Ich seh das als meinen individuellen Weg. Dass man als Künstler, aus welchem Genre auch immer, die Musik liebt und sie mit Leidenschaft macht und natürlich auch vorantreibt, ist klar. Auf welche Weise ist jedem Künstler selbst überlassen.

 

Ich würde nie jemandem raten, meinen Weg zu gehen. Ich bin meinen eigenen Weg gegangen und habe mich nicht an jemandem orientiert. Ich habe mir sicherlich mal Inspiration von großen Künstlern wie Fritz Kreisler, Paganini und Heifetz geholt. Diese Künstler haben ja auch selbst unglaublich viele eigene Sachen geschrieben und auch viele populäre volkstümliche Musik arrangiert oder umgeschrieben für Geige.

 

Dementsprechend folge ich da ja eigentlich der Tradition der großen Virtuosen auf meine ganz eigene Art. Aber grundsätzlich würde ich immer sagen, wer gerne Musik macht, wird diese Musik auch gerne ‚promoten‘, sie vorantreiben und sich für sie einsetzen.

 

Es gibt Ängste, dass das Publikum, das klassische Musik hört, veraltet und die Jungen nicht mehr für Klassik begeistert werden können. Das Abo-Publikum in den Konzerthäusern wird immer älter, die Jungen fehlen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? 


Garrett: Ich glaube gerade in den letzten Jahren – besonders durch die sozialen Medien – werden junge Menschen wieder von klassischer Musik und Künstlern, die klassische Instrumente spielen, begeistert.

 

Vielleicht ist aber auch das Abosystem mittlerweile ein Stück weit veraltet. Junge Leute können mit einem Abo nicht viel anfangen. Da müsste man sich vielleicht ein System überlegen, das spannender für junge Leute ist. Insofern mache ich mir keine Sorgen, dass bei Abonnent:innen das Alter höher ist, das ist völlig in Ordnung. Ich finde es auch wichtig, dass man als Künstler, als Musiker niemanden ausschließt. Allerdings gibt’s da sicherlich Wege, die für die Zukunft spannend sein können und die vom Abosystem weggehen.

 

„Eine fantastische Location mit wunderbarer Atmosphäre“ ist der Mariendom für David Garrett.

 

Corona und die Pandemie haben vielen im Kulturbereich arg zugesetzt. Deutlich wurde auch: Das Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt und wie geht es Ihnen jetzt damit, da wieder alles möglich ist? 


Garrett: Die Zeit war sehr ruhig, was das Reisen anging. Trotzdem war ich unglaublich intensiv beschäftigt mit dem Schreiben eines Klavierkonzerts, mit dem Arbeiten an ‚Iconic‘, dem neuen Klassikalbum, sprich auch an einer neuen Klassiktour. Ich hab ein wunderbares Buch geschrieben, eine Autobiografie, die ich mit digitalen QR- Codes bestückt habe, um den Leser:innen weitere Einblicke in mein Leben mit zusätzlichen Videos, Fotos und vor allem den entsprechenden Musikstücken zu geben. Ich habe versucht, kreativ und auf andere Art und Weise zu arbeiten, und dementsprechend war die Zeit für mich spannend und auch schön. Wir haben die Corona-Zeit sehr gut genutzt und wirklich tolle Projekte umgesetzt.

 

Langweilig war mir in dieser Zeit ganz und gar nicht, im Gegenteil!
Natürlich hab ich mich sehr gefreut, als die Möglichkeit bestand, wieder live Konzerte zu spielen: Das ist meine Leidenschaft, das gehört zu den schönsten Dingen, die ich in meinem Leben tue. Dieses Jahr spielen wir weltweit circa 80 Konzerte. 

 

Zurück nach Linz: Sie sind weit gereist und in der ganzen Welt unterwegs: Was verbinden Sie mittlerweile mit Linz?


Garrett: Ich verbinde in erster Linie schöne Konzerte mit Linz und natürlich ein besonderes Konzert, das damals im Linzer Dom während der Pandemie stattgefunden hat. Es war die einzige Möglichkeit überhaupt, vor Publikum spielen zu können! Es wurde damals für den ORF aufgezeichnet und ausgestrahlt, und dementsprechend verbinde ich schon ganz private, wunderschöne Momente in der Pandemie mit Linz.

 

Zum Programm bei Klassik am Dom: Womit werden Sie heuer Ihre Fans und die Zuschauer:innen bei Klassik am Dom überraschen? Gibt es etwas, das Sie schon in den vergangenen Jahren in Linz ausprobieren wollten und heuer endlich umsetzen können? 


Garrett: Es wird ein Klassikprogramm, das auf dem ‚Iconic‘-Album basiert. Dementsprechend spielen wir natürlich Stücke und Material aus diesem Klassikalbum. Ich glaube, ich werde die Leute vielleicht ein Stück weit damit überraschen, dass es dieses Mal auch Zuschauerfragen gibt, die ich live auf der Bühne spontan beantworten werde. Fragen, die ich vorher nicht kenne und die ich einfach auf der Bühne vorlese – und mir dann hoffentlich auch eine kluge Antwort überlege. Das wird sicherlich ein wunderschöner, spontaner Abend: unterhaltsam und mit großartiger klassischer Musik.

 

DAS GESPRÄCH FÜHRTE ELISABETH LEITNER


David Garrett bei Klassik am Dom: 4. August, 20 Uhr.

 

Klassik am Dom - Vorteile für Kirchenzeitungs-Leser:innen

 

Klassik am Dom – Weltstars zu Gast in Linz

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