
Der Autor Johannes Zang hat nun 33 palästinensische Christen aus Jerusalem und Umgebung interviewt: vom Pensionisten über Student:innen bis zur Universitätsdozentin. Die Gespräche geben die Erfahrungen der Interviewpartner wieder und sind damit auch eine sehr persönliche Perspektive auf die politischen Themen, die unweigerlich in jedem Gespräch vorkommen.
Als Leser:in muss man nicht jede einzelnen Position der Interviewten teilen, aber den Einblick, den sie in ihren Lebensalltag, ihre politische Vorstellungen und ihren Glauben geben, macht das Buch zu einer eindrücklichen Gesprächssammlung. Da der Autor allen dieselben Fragen gestellt hat, zeigen sich interessante Schwerpunkte. Neben der existenzbedrohenden materiellen Not – bedingt durch das Ausbleiben der Pilger, bringen viele Interviewte ihre Enttäuschung zum Ausdruck: über die eigene palästinensische Regierung, die arabischen Staaten und besonders über Deutschland. Eine Reihe von Wortmeldungen kreist um den Alltag der Palästinenser, der durch die israelische Armee, die das Westjordanland de facto besetzt hält, zum Überlebenskampf wird. Oft sind es nur kurze Sätze, mit denen die Gesprächspartner vor allem ihre Ohnmacht der Besatzung und der israelischen Regierung gegenüber beschreiben. Das macht das Buch konkret und beklemmend.
Aber auch Selbstkritik zeigt sich im Blick auf die Radikalen beider Seiten. „Jeder will das Land für sich allein haben und denkt sich seine Nachbarn weg“, sagt eine Interviewte. Für Hoffnung bleibt in den Gesprächen wenig Platz.

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