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Inhalt:
Kunstschätze in Oberösterreich

Der Heilige Kilian und seine Feindin (8. Juli)

ALT_KOSTBAR

In der Reihe „alt & kostbar“ stellt Lothar Schultes den Bildzyklus der Wartberger Kilianslegende vor.  

Ausgabe: 27/2023
04.07.2023
- Lothar Schultes
Meister der Wartberger Kilianslegende, Teufel bestrafen die Mörder Kilians, um 1470/80, Wartberg an der Krems, Pfarrkirche
Meister der Wartberger Kilianslegende, Teufel bestrafen die Mörder Kilians, um 1470/80, Wartberg an der Krems, Pfarrkirche
© IMAREAL, Peter Böttcher

Der 8. Juli ist der Gedenktag des hl. Kilian, eines iro-schottischen Wanderpredigers und Missionsbischofs, der seit 751 gemeinsam mit seinen Wegbegleitern Kolonat und Totnan in Würzburg als Märtyrer und Frankenapostel verehrt wird. Während ihm in Deutschland zahlreiche Kirchen geweiht sind, blieb er in Österreich fast unbekannt. 


Umso überraschender ist, dass sich in der Pfarrkirche von Wartberg an der Krems der umfangreichste mittelalterliche Bildzyklus mit Darstellungen aus seinem Leben erhalten hat. Der Grund besteht darin, dass Bischof Adalbero den umfangreichen Wartberger Besitz der Grafen von Lambach-Wels dem Bistum Würzburg vermachte, das ihn aber 1219/20 wieder veräußerte.

 

Was blieb, war das Patrozinium der Pfarrkirche und ihres gotischen Hochaltars, dessen Flügelgemälde im 19. Jahrhundert an der Chorwand in einem gemeinsamen Rahmen montiert wurden. Wie der Goldgrund belegt, bildeten die Szenen der Kilianslegende die Sonntagsseite, während in geschlossenem Zustand die Passion Jesu zu sehen war. 

 

Äußerst Originell


Die Bilder folgen inhaltlich der Lebens- und Leidensgeschichte Kilians, dem sogenannten „Prosapassional“, das 1471 in Augsburg im Druck erschien. Allerdings sind für einige Details keine literarischen Vorlagen zu finden. Dies bedeutet, dass der Maler keiner ikonografischen Tradition folgen konnte und somit ganz auf seine Fantasie angewiesen war.

 

Das Ergebnis gehört daher zum Originellsten, das die süddeutsche Malerei der Spätgotik hervorgebracht hat. Die Erzählung beginnt mit der Entsendung des Heiligen und seiner Gefährten durch Papst Konon. In der nächsten Szene fordert Kilian den ostfränkischen Herzog Gozbert auf, die aus kirchlicher Sicht unrechtmäßige Ehe mit seiner Schwägerin Geilana zu lösen. 

 

Hoch dramatisch

 

Das dritte Bild zeigt, dass die Frau damit keinesfalls einverstanden ist und mit viel Geld drei Mörder anheuert, die Kilian töten sollen. In der vierten Szene schildert der Maler mit packender Dramatik die entsetzliche Bluttat. Es folgt eine Begegnung zwischen den Eheleuten, in der Gozbert seine Frau eindringlich nach dem Verbleib der Missionare befragt.

 

In der nächsten, hier abgebildeten Szene üben mehrere Teufel schreckliche Rache an den Mördern und ihrer Anstifterin. Wie wilde Tiere stürzen sie sich fauchend und beißend auf ihre Opfer, wobei die grellen, bunten Farben den schrillen Tönen der Handlung entsprechen. Nach diesem Furioso folgt die Suche nach den Leichen der Mordopfer. Ein Schüler führt den blinden Priester Atalongus zu jenem Pferdestall, wo Kilian und seine Gefährten verscharrt wurden.

 

Die Geschichte endet damit, dass Bischof Burkhard die Toten in feierlicher Prozession in die Marienkirche auf den Burgberg von Würzburg überführt. Heute werden ihre Reliquien in der Krypta („Kiliansgruft“) der Neumünsterkirche aufbewahrt, die Schädel jedoch im Hauptaltar des Kiliansdoms.

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Autor und Künstler Lothar Schultes gestaltet seit 2022 für die Kirchenzeitung die Reihe „alt und kostbar“. Dabei stellt er vorwiegend Alte Kunst im Kontext des Kirchenjahres vor. 

Lesen Sie alle Beiträge alt & kostbar

 

Lothar Schultes studierte in Wien Bildhauerei bei Wander Bertoni sowie Archäologie und Kunstgeschichte. Er arbeitete im Belvedere und an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, ehe er 1985 ans OÖ. Landesmuseum kam, wo er bis zu seiner Pensionierung 2020 die Sammlungen Kunstgeschichte und Kunstgewerbe leitete. Viele kennen Schultes von Vorträgen im „Deep Space“ des AEC. 

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