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Das Haus der Frau ist ein Stück Heimat

Gesellschaft & Soziales

Vor 50 Jahren betrat erstmals ein Mensch den Mond, die Arbeitswoche wurde auf 40 Stunden gesenkt und in Linz wurde das „Haus der Frau“ mit einem Geburtsvorbereitungskurs eröffnet. „Der Name ist heute eine Marke“, sagt Leiterin Eva-Maria Kienast im Gespräch.
 

Ausgabe: 39/2019
24.09.2019
- Christine Grüll
© Violetta Wakolbinger

Das Haus der Frau wurde 1969 als Bildungszentrum eröffnet. Mittlerweile gibt es viele Angebote, wo Frauen sich informieren können. Was möchten Sie vermitteln?
Eva-Maria Kienast:
Wir bekommen oft rückgemeldet, dass bei uns eine besondere Atmosphäre herrscht. Die Besucherinnen werden persönlich begrüßt, der Empfang ist immer besetzt, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen sind als Ansprechpersonen im Haus unterwegs. Diese persönliche, herzliche Atmosphäre unterscheidet uns von anderen Anbietern. 
Frauenbildung ist auch im Jahr 2019 immer noch Thema, nur die Wünsche haben sich zum Teil geändert. Wir versuchen, darauf mit Themenschwerpunkten zu reagieren. Viele haben nach Begegnungsmöglichkeiten gefragt. Lebenssituationen ändern sich durch Pensionierung, Kinder ziehen aus, Beziehungen lösen sich auf. Wir bieten die Möglichkeit, sich auszutauschen, um schwierige Situationen ein wenig abzufangen. Für viele ist das Haus ein Stück Heimat. 


Warum leistet sich die Diözese bzw. die Katholische Frauenbewegung (kfb) ein Bildungshaus? 
Kienast:
Für die kfb oö sind Frauenbildung und die Ermächtigung von Frauen ein ganz wesentliches Anliegen. Dieses Anliegen lässt sich über ein Bildungshaus sehr gut umsetzen. In einem Bildungshaus ist es möglich, eine Bandbreite von Themen für Frauen anzubieten und diese dadurch in ihrer Entwicklung zu unterstützen.


Das Leitbild des Hauses bezieht sich auf das christliche Menschenbild – was macht es für Sie aus?
Kienast:
Da möchte ich an die Atmosphäre im Haus anknüpfen: Wir Mitarbeiterinnen sind dem Haus verbunden, und das möchten wir weitergeben. Das schlüpft auch unter dieses Menschenbild: ein achtsamer Umgang miteinander und das Gespür für die Frauen und dafür, was sie brauchen. Das ist auch Anknüpfungspunkt für kirchenferne Personen. 


Ist Ihnen wichtig, Frauen gesellschaftspolitisch zu informieren?
Kienast:
Wir haben einen Abend zur Geschlechtergerechtigkeit in der Budgetpolitik. Was bedeutet das für jede von uns persönlich? Es ist etwas anderes, ob ich darüber in der Zeitung lese oder ob ich die Möglichkeit habe, mit Expertinnen darüber zu reden, mir Information aus erster Hand zu holen und eine Meinung zu bilden. Auf der anderen Seite ist auch Kreativität wichtig, sich zu bewegen, Freude zu verspüren, zum Beispiel beim Miteinandertanzen. Das bewegt viele. Wir freuen uns über jede Frau und jeden Mann, der mit Frauen ins Gespräch kommen möchte, und über die vergangenen 50 Jahre. Wir schauen positiv in die Zukunft.

 

Zur Sache

 

Glaube, Tanz und Politik

Das Haus der Frau wurde im Oktober 1969 als Bildungs- und Begegnungszentrum der Katholischen Frauenbewegung der Diözese Linz eröffnet. In den Jahrzehnten davor wurde es als Gasthaus genützt, als Flüchtlingswohnheim, Haushaltsschule und Mädcheninternat. Das erste Kursprogramm umfasste 23 Kurse, heute sind es 300. Diese decken von Glaubensfragen über Tanz und Kreativität bis zur gesellschaftspolitischen Information und Beziehungsberatung zahlreiche Themen ab. Die ehemaligen Leiterinnen haben die Ausrichtung geprägt: Theresia Schaumberger (1969 bis 1970), Marianne Maier (bis 1989, verstorben 2018), Maria Moucka-Löffler (bis 1996), Maria Hauer (bis 2015). Gabriele Eder-Cakl (bis 2017) ist heute Direktorin des Pastoralamts der Diözese Linz. Das Jubiläum wurde am Freitag, 20. September mit einem Frauentag gefeiert.

Eva-Maria Kienast, M.A., MA leitet seit zwei Jahren das „Haus der Frau“ in der Linzer Volksgartenstraße.
Eva-Maria Kienast, M.A., MA leitet seit zwei Jahren das „Haus der Frau“ in der Linzer Volksgartenstraße.
© Violetta Wakolbinger
„Das Haus ist ein Stück Heimat für mich. Ich fühle mich hier als ganzer Mensch angenommen und kann meine Erfahrungen weitergeben.“ Gertraud Gebel kommt seit 1975 ins Haus, heute als Ehe-, Familien- und Lebensberaterin.
„Das Haus ist ein Stück Heimat für mich. Ich fühle mich hier als ganzer Mensch angenommen und kann meine Erfahrungen weitergeben.“ Gertraud Gebel kommt seit 1975 ins Haus, heute als Ehe-, Familien- und Lebensberaterin.
© KiZ/CG
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