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Manche Frauen erreichen sie früher, manche später: Die Wechseljahre. Der Eintritt in diese Lebensphase kann nicht nur körperliche und hormonelle Veränderungen mit sich bringen, sondern auch seelische Umwälzungen und Gefühlschaos. Monika Kastner ist seit mehr als 30 Jahren Referentin zu diesem Thema, unter anderem beim Katholischen Bildungswerk (KBW).
Die körperlichen Beschwerden können vielfältig sein, sagt sie: „Ein typisches Zeichen sind Hitzewallungen. Auch Schlafschwierigkeiten können auftreten sowie Schwindel und Kopfschmerzen.“ Die Wallungen können begünstigt werden von heißen Speisen wie Suppe oder Kaffee, aber auch Stress und Druck können Auslöser sein, weshalb Kastner rät, auf diese Dinge zu achten. In den Wechseljahren zeige der Körper Grenzen auf, wodurch sich Frauen nicht mehr so leistungsfähig fühlen und sich weniger gut konzentrieren können. Auch Veränderungen bei den Haaren treten auf, nicht nur, weil sie silbrig werden: „Die Haare werden weniger, wachsen dafür woanders bzw. wo man sie eigentlich nicht will – zum Beispiel am Kinn.“ Nicht zuletzt können die Gelenke reagieren, wenn es zu Hormonumstellungen kommt. Um herauszufinden, wie die verschiedenen Symptome gelindert werden können, rät Kastner, sich individuell beraten zu lassen und mehrere Meinungen einzuholen, bevor man eine Entscheidung trifft. Außerdem empfiehlt sie viel Bewegung sowie Gewicht und Essverhalten im Auge zu behalten.
Um den Veränderungen in den Wechseljahren entgegenzutreten, „muss man sich neu orientieren und eine positive Haltung dazu gewinnen“, rät Kastner. Es gehe darum, die Hormonumstellung zu akzeptieren, sich auf das Neue einzustellen und es anzunehmen. Und Wege zu finden, den Körper bei diesem Wandel zu unterstützen. Dabei sollte die Ganzheitlichkeit im Zentrum stehen. Hilfreich sind Wissen und Informationen, die man sich vielleicht schon vor den Wechseljahren angeeignet hat, sodass man „Expertin für den eigenen Körper“ ist, wie Kastner sagt.
Auch auf die Seele kann die Zeit der Wechseljahre drücken. „Vielleicht stellt sich eine gewisse Traurigkeit ein, wegen Nicht-Gelebtem, wenn Angehörige versterben, eine Scheidung bevorsteht oder die Kinder aus dem Haus ausziehen“, nennt Kastner ein paar Beispiele. Unaufgearbeitetes solle unbedingt angesprochen und bereinigt werden, sagt die Expertin. Verlorenes oder Nicht-Gelebtes darf betrauert werden, und – je nachdem, worum es sich handelt – solle man sich und den Beteiligten vergeben (können).
Spiritualität und Glaube können in der Zeit der Wechseljahre eine wichtige Ressource für Frauen sein, sagt Margit Schmidinger, ehrenamtliche Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Oberösterreich (kfb oö) und spirituelle Begleiterin bei „Zeit für mich“, einem Kurzurlaubs-Angebot für Frauen ab der Menopause im Curhaus Bad Kreuzen. „Glaube heißt vor allem Vertrauen. Gerade in Zeiten des Wandels, in denen viele Fragen auftauchen und es viel Verunsicherung gibt, ist es hilfreich zu wissen: Es gibt jemanden, der größer ist als ich, der das Leben in den Händen hält und in dem ich geborgen bin“, sagt Schmidinger.
Der Austausch mit anderen Frauen in den Wechseljahren betrachtet Schmidinger als extrem wertvoll: „Wenn sich Frauen so zeigen können, wie sie sind, dann trauen sie sich auch darüber zu sprechen, was sie wirklich beschäftigt.“ Dazu brauche es vertrauensvolle Räume, von denen sich Schmidinger auch mehr im kirchlichen Bereich wünscht, denn das Bedürfnis sei da.
Nicht nur im direkten Austausch, auch in der Bibel lässt sich Aufbauendes für Frauen in den Wechseljahren finden. Schmidinger verweist auf die Geschichte jener Frau, die seit Jahren an Blutfluss leidet, bis sie zu Jesus geht, der sie berührt und so heilt. „Ich finde, das ist eine schöne Geschichte für Frauen in den Wechseljahren, weil diese auch oft mit extrem starken Blutungen einhergehen. Die Frau findet den Mut und sagt: Ich weiß, es gibt Heilung für mich.“ Ein Text, der Schmidinger schon jahrelang begleitet, ist „Du hast mich geträumt, Gott“ von Dorothee Sölle, einer evangelischen Theologin. Dieser enthalte überaus stärkende Worte und „bringt noch mal diese Kraft in uns Frauen so schön zum Ausdruck“. Apropos Worte: Diese helfen Schmidinger in Form von Affirmationen bei Schlafstörungen. „Ich habe damit begonnen, mir eine Hand aufs Herz und auf den Bauch zu legen und mir Sätze zu sagen wie ‚Ich bin geliebt‘ oder ‚Ich bin gut genug‘ und diese wie ein Mantra zu wiederholen. Irgendwann bin ich wieder eingeschlafen.“
Auch Personen können Inspiration und Orientierung für die Wechseljahre bieten. „Einen erfrischend lebendigen Zugang zu Gott hat Annette Jansen, eine deutsche Theologin, die sich viel mit den weiblichen Gottesbildern beschäftigt“, sagt Schmidinger. „Sie sagt, Gott ist so viel mehr als Herr. Sie spricht von Gott als der Ewigen, der Trösterin, der Lichtbringerin. Es kann für Frauen heilsam sein, sich mit dem Patriarchat auseinanderzusetzen. Gerade die Wechseljahre sind eine Zeit, in der viele aufstehen und sagen: So nicht mehr.“
Eine weitere Empfehlung von Margit Schmidinger sind Schwellengänge in der Natur: Man hat eine Frage, die einen beschäftigt, geht (absichtslos) hinaus – über eine Schwelle – und lässt die Natur zu einem sprechen. „Ich kann mich an Schwellengänge erinnern, bei denen es mir wirklich nicht gut ging, und immer war da etwas, das mein Vertrauen ins Leben wieder gestärkt hat“, sagt Schmidinger. „Beispielsweise bin ich einmal im Herbst in den Wald gegangen, und da war ganz viel Buchenlaub. Die Sonne schien auf dieses Laub, das war wie ein goldener Teppich.“
Das sei ein schönes Bild dafür, wie sich das Alte wandle und golden werde, und dass man darauf vertrauen könne, auch wenn man etwas loslassen müsse: „Das hat etwas sehr Tröstliches und Stärkendes.“
„Zeit für mich“, Curhaus Bad Kreuzen, 6.–10. 9., Anmeldung: KDFB-
Diözesanbüro Passau, passau.kdfb@bistum-passau.de, 0049 851 36361
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