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Papst mahnt im Baltikum

Weltkirche

Die Unabhängigkeit der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen vor hundert Jahren war zwar Anlass des Papstbesuchs von Samstag bis Dienstag. Genauer gesagt stand aber die blutige Geschichte während dieser hundert Jahren im Zentrum – und Mahnungen für die Zukunft.
 

Ausgabe: 39/2018
25.09.2018
- kathpress/nie
In stillem Gebet gedachte Papst Franziskus der Opfer der Liquidierung des Ghettos von Vilnius am 23. September 1943 durch die deutschen Besatzer.
In stillem Gebet gedachte Papst Franziskus der Opfer der Liquidierung des Ghettos von Vilnius am 23. September 1943 durch die deutschen Besatzer.
© Reuters

In die 100 Jahre fallen der Zweite Weltkrieg mit dem Holocaust und die jahrzehntelange Zwangseingliederung des Baltikums in die Sowjetunion inklusive staatlicher Verfolgungen. So sprach der Papst auf seiner ersten Station in Litauen von den „Prüfungen und Leiden“ des vergangenen Jahrhunderts. Franziskus verwies auf das Zusammenleben verschiedener Völker und Religionen in Litauen. Erst totalitäre Regime hätten die Fähigkeit zur Gastfreundschaft durch Gewalt und Misstrauen zerstört.
Am Sonntag besuchte der Papst das Mahnmal, das an die Liquidierung des Ghettos von Vilnius vor genau 75 Jahren erinnert. Während er dort schweigend betete, hatte er zuvor bei einer Messe mit rund 100.000 Teilnehmern in Kaunas zu Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus aufgerufen. Die nach dem Holocaust geborenen Generationen stünden in der Gefahr, solchen Ideologien wieder nachzulaufen, sagte er. Die katholischen Gläubigen müssten das Gedenken an die Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg wachhalten und „jeden neuen Keim dieser verderblichen Gesinnung rechtzeitig erkennen“.

 

Erinnerung

Franziskus zeigte sich bewegt vom Schicksal katholischer Geistlicher in der kommunistischen Zeit. Zu Ordensleuten und Priestern sagte er: „Wenn ich euch sehe, sehe ich hinter euch viele Märtyrer“. Der Papst ging freilich auch auf die heutige Situation ein: Wenn heutige Priester und Ordensleute ihren Glauben auf die Probe gestellt fänden, seien die Ursache nicht Diktatoren, sondern fehlende Freude am Gebet und am Gemeinschaftsleben.
Auf seiner zweiten Station in Lettland erinnerte der Papst an die geistlichen Wurzeln des Wohlstandes. Ohne Bezug zu ihnen wäre der Wiederaufbau nach dem Ende des Ostblocks nicht möglich gewesen. Bei einer Messfeier im lettischen Marienwallfahrtsort Aglona warnte Franziskus vor Fremdenfeindlichkeit und Populismus: Christen müssten auf eine universale Geschwisterlichkeit setzen. Am Dienstag besuchte der Papst als letzte Station noch Estland.

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Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.

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