Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Hintergrund ist eine akute personelle Notlage der Piusbrüder: Von den 1988 eigenmächtig geweihten vier Bischöfen sind nur noch zwei am Leben. Ohne weitere Bischöfe droht der Gemeinschaft, Priester nicht mehr gültig weihen zu können, was ihre sakramentale und institutionelle Zukunft gefährdet. Das sei laut Piusbrüdern eine „Notlage“, man sorge sich um das Seelenheil der Anhänger:innen.
Im Kern lehnt die Piusbruderschaft zentrale Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ab, darunter Liturgie, ökumenische Öffnung und Religionsfreiheit. Sie versteht sich als Bewahrerin einer vorkonziliaren Theologie und einer strengen, traditionellen katholischen Praxis. Diese Haltung hat sie seit Jahrzehnten in eine sogenannte „institutionelle Unklarheit“ mit dem Heiligen Stuhl gebracht.
Rom reagiert auf die neue Provokation bislang – wie schon immer seit den 1970er-Jahren – mit Gesprächsangeboten: Ein Treffen zwischen dem Generaloberen Davide Pagliarani und dem Präfekten des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, ist für den 12. Februar terminiert worden. Der Vatikan betont, dass man „Brüche oder einseitige Lösungen […] vermeiden“ wolle. Papst Leo XIV. stellte im Herbst weitreichende Ausnahmegenehmigungen von der Einschränkung der Feier der „Alten Messe“ in Aussicht. Trotz solcher diplomatischen Bemühungen sind die Fronten verhärtet: Die Bruderschaft erklärte, dass die bisherigen Antworten des Heiligen Stuhls „in keiner Weise“ auf ihre Anliegen reagierten. Die geplanten Weihen würden ohne Rücksicht auf kirchenrechtliche Verbote stattfinden, falls eine Einigung mit Rom nicht gelingt.
Laut eigenen Angaben zählt die Piusbruderschaft 733 Priester und 264 Seminaristen. Der Hauptsitz ist in der Schweiz. Laut inoffiziellen Schätzungen besuchen weltweit rund 600.000 Menschen Gottesdienste, die von Piusbrüdern gefeiert werden.
1970 Gründung der Priesterbruderschaft St. Pius X. durch Erzbischof
Marcel Lefebvre.
1988 Lefebvre weiht ohne päpstliche Zustimmung vier Bischöfe. Rom erklärt die Weihen für unerlaubt, die beteiligten Bischöfe werden exkommuniziert.
2009 Papst Benedikt XVI. hebt die Exkommunikationen der vier Bischöfe auf. Der kirchenrechtliche Status der Bruderschaft bleibt jedoch ungeklärt. Zeitgleich sorgt der Pius-Bischof Richard Williamson mit holocaust-leugnenden Aussagen für internationale Kritik.
2012 Williamson wird aus der Bruderschaft ausgeschlossen. Der Skandal prägt nachhaltig und verstärkt Vorwürfe ideologischer Nähe der Piusbrüder zu extrem rechten Milieus.

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>