Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Im Februar 2006 zerstörte ein wütender Mob in der syrischen Hauptstadt Damaskus die Botschaften von Dänemark und Norwegen. In mehreren muslimischen Ländern gingen in den Monaten zuvor Hunderttausende Menschen auf die Straßen. Es gab auch Tote bei gewaltsamen Übergriffen zu beklagen. Der Auslöser war, dass die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ Karikaturen des muslimischen Propheten Mohammed gedruckt hatte, zusammen mit einem Leitartikel, in dem unter anderen stand, „dass man in der Demokratie damit klarkommen müsse, sich Hohn, Spott und Häme auszusetzen.“ Die Kirchenzeitung befragte den Friedensforscher Hans Peter Graß über Hintergründe und Lösungsmöglichkeiten. Für ihn ging es bei dem Konflikt nicht um eine Auseinandersetzung um die Meinungsfreiheit. „Die Menschen in der islamischen Welt fühlen sich seit Jahrzehnten als Spielball der westlichen Wirtschafts- und Machtinteressen oder auch als Opfer, auf deren Rücken in der Vergangenheit der Kalte Krieg ausgetragen wurde“, betonte Graß. Es sei leicht, gedemütigte Menschen ohne Perspektive und Selbstbewusstsein zu manipulieren. Fundamentalistische Gruppen würden diese Situation unter Missbrauch der Religion ausnutzen, um selbst mehr Einfluss in den Ländern zu gewinnen. Der Friedensforscher hatte auch einen möglichen Lösungsansatz parat: „Ich würde mir wünschen, dass westliche Politiker gemeinsam mit Führern der islamischen Welt – auch religiösen – auftreten und alles tun, um die Eskalation zu beruhigen. Für mich gehört dazu auch, dass sich der Westen entschuldigt, nicht bloß für die Karikaturen, sondern für das Unrecht, das man den Menschen dort angetan hat, so wie man sich auch für die Sklaverei – spät, aber doch – entschuldigt hat.“

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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