Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
Es waren nicht nur Vertreter oberösterreichischer Medien, die am 24. Juni den Weg in den Garten des Linzer Bischofshofs gefunden hatten – auch Journalist:innen und Öffentlichkeitsarbeiter:innen aus anderen Bundesländern waren zu dem jährlich wiederkehrenden Empfang gekommen, nutzten die Gelegenheit zum Austausch und hörten die Ansprache des Linzer Diözesanbischofs.
In dieser Rede sprach Manfred Scheuer von einer Krise, die der Journalismus erlebe und die auf die digitale Transformation und die Einführung der „künstlichen Intelligenz“ zurückgehe: „Es ist Realität, dass die Abonnentenzahlen zurückgehen, in Redaktionen gespart wird und digitale Plattformen (einfache) Wahrheiten für sich beanspruchen. Diese Plattformen meinen, eine Deutungshoheit über die Welt zu haben.
Als unheilsschwangere Beschreibung der Situation (Dystopie) zitierte Scheuer den österreichischen Satiriker und Autor Fritz Jergitsch, der in seinem neuesten Buch „Heulen hilft uns auch nicht weiter“ geschrieben hatte: „Der schier endlose Strom an Angstmache, Polarisierung und Fake News in den Newsfeeds zeigt uns keine reale Welt, sondern eine Welt, in der man betrogen, übergangen und bedroht wird […]. Soziale Medien zersetzen unsere gemeinsame Definition der Realität und damit die Grundlage der Entscheidungsfindung.“
Ein wesentlicher Punkt sei „Vertrauen“ in die Nachrichtenmedien, sagte Scheuer mit Blick auf eine Studie der Rundfunkregulierungsstelle RTR zum Spannungsfeld von künstlicher Intelligenz, Medienvertrauen und Demokratiezufriedenheit. In der von Scheuer angesprochenen Studie aus dem Vorjahr zeigte besonders die Nutzung von Facebook und Telegram „einen signifikant negativen Zusammenhang mit Demokratiezufriedenheit“.
Der Aufgabe von Nachrichtenmedien wies der Bischof große Bedeutung zu. Denn wie der deutsche Philosoph Jürgen Habermas in seinem Werk „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit“ festgestellt hat: „Ein demokratisches System nimmt im Ganzen Schaden, wenn die Infrastruktur der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit der Bürger nicht mehr auf die relevanten und entscheidungsbedürftigen Themen lenken und die Ausbildung konkurrierender öffentlicher, das heißt: qualitativ gefilterter Meinungen nicht mehr gewährleisten kann.“
Habermas‘ Ausdruck „qualitativer Filter“ mag etwas irritieren. Doch ist offensichtlich gerade keine wie auch immer geartete „Zensur“ gemeint, sondern die durch die Öffentlichkeit mögliche transparente Überprüfung auf Richtigkeit und Relevanz.
Das erinnert auch an die journalistische Aufgabe des Agenda-Settings: das Auswählen relevanter Themen. Aktuell ist nämlich nicht das sprichwörtliche umfallende Fahrrad in China, sondern vor allem das, was das Leben der Menschen hier und heute betrifft. Und das ist nicht immer nur der Skandal, die Erregung und die Emotion. Das sind auch vermeintlich „langweilige“ Themen wie Gesetzesbeschlüsse zum Beispiel bei Sozial- oder Wirtschaftsthemen. Ihre Bedeutung darzustellen, ist eine der Aufgaben von gutem Journalismus.
Bischof Scheuer zitierte in seiner Rede auch die Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV., der festgestellt hat: „Die Wahrheit ist ein Gemeingut und nicht das Eigentum derer, die Macht oder Sichtbarkeit besitzen.“ Auf sozialer und kultureller Ebene erfordere dies unter anderem „einen seriösen Journalismus sowie Orte des Austauschs, an denen Argumentation und Überprüfung mehr zählen als die unmittelbare Reaktion“, schrieb der Papst.
Bischof Scheuer wandte sich direkt an die anwesenden Medienvertreter, als er sagte: „Sie sind als Kommunikatorinnen und Kommunikatoren Deuterinnen und Deuter der Wirklichkeit, des politischen und des gesellschaftlichen Geschehens. Sie sind als Vertreterinnen und Vertreter der Medien ein wesentlicher Pfeiler unserer liberalen Demokratie. Sie stehen in Beziehung zu den Menschen hier in Oberösterreich und sind unverzichtbare Vermittlungsinstanzen. Daraus ergibt sich die Unverzichtbarkeit Ihrer Tätigkeit.“
Das Vakuum, das eine Gesellschaft erfahren würde, die über keinen unabhängigen, redlichen und qualitativen Journalismus verfügt, würde sie zersetzen, warnte der Bischof.
„Wahrheit ist nicht auf Knopfdruck zu haben; die Suche danach muss freilich dem Druck nach schnellen Antworten und Bewertungen standhalten. Das ist oft schwer auszuhalten. Aber ich hoffe sehr, dass es uns gelingen wird, eine Kommunikation, die der Wahrheitssuche dient, weiter zu fördern, zu stabilisieren und zu stärken. Die Kirche wird sich in diesen Diskurs einbringen. Und die Politik ist gefordert, hier notwendige Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagte Scheuer.

Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
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