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Was glauben Sie eigentlich: Was ist der Unterschied zwischen Frömmigkeit und Gottesfurcht?

GLAUBENS_GUT

„Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch an dieses Kindergebet vor dem Schlafengehen. Was bedeutet es, fromm zu sein?

Ausgabe: 21/2026
19.05.2026
- Pater Martin M. Lintner
Drei Kreuze auf einem Hügel
Drei Kreuze auf einem Hügel
© Gerd Altmann auf Pixabay

In Gesprächen mit Menschen mache ich die Erfahrung, dass viele den Begriff der „Frömmigkeit“ für verstaubt und altmodisch halten. Sie verbinden damit eine Glaubenshaltung zwischen Frömmelei und Bigotterie.

 

Oder sie denken an die Volksfrömmigkeit, den Glauben der „einfachen Leute“, der manchmal etwas abschätzig als naiv oder vorwissenschaftlich bezeichnet wird. Der heute gängigere Begriff der Spiritualität verdeutlicht, was Frömmigkeit bedeutet: sich von Gottes Geistkraft, dem „Spiritus“, in der Gestaltung des Alltags leiten zu lassen.

 

Frommsein ist Vertrauen


Und wohin will der Geist uns führen? In die bleibende Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott, der in sich Beziehung ist. Diesem Gott dürfen wir uns anvertrauen, wie der Dichter Hermann Hesse es formuliert: „Frommsein ist nichts anderes als Vertrauen.“


Ehrfurcht haben


Und was hat es mit der Gottesfurcht auf sich? Um ein Missverständnis zu klären: „Furcht“ meint nicht „Angst und Schrecken“. Vielmehr ist es die Ehrfurcht vor Gott, der Respekt, den wir spüren, wenn wir etwas von seiner unendlichen Größe erahnen und uns dabei bewusst werden, wie klein wir selbst sind.

 

Im Psalm 8 heißt es: „Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde! Über den Himmel breitest du deine Hoheit aus. Was ist da der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“

 

Sich Gott anvertrauen


Sich von Gott geliebt zu wissen und sich ihm anzuvertrauen, nicht aus Angst, sondern aus Liebe: das ist Gottesfurcht. Papst Franziskus hat betont, dass Gottesfurcht dazu drängt, jedem Geschöpf, das von Gott geschaffen ist, mit Ehrfurcht zu begegnen. Vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint, verbindet Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Pater Martin M. Lintner
Pater Martin M. Lintner
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