Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
In Gesprächen mit Menschen mache ich die Erfahrung, dass viele den Begriff der „Frömmigkeit“ für verstaubt und altmodisch halten. Sie verbinden damit eine Glaubenshaltung zwischen Frömmelei und Bigotterie.
Oder sie denken an die Volksfrömmigkeit, den Glauben der „einfachen Leute“, der manchmal etwas abschätzig als naiv oder vorwissenschaftlich bezeichnet wird. Der heute gängigere Begriff der Spiritualität verdeutlicht, was Frömmigkeit bedeutet: sich von Gottes Geistkraft, dem „Spiritus“, in der Gestaltung des Alltags leiten zu lassen.
Und wohin will der Geist uns führen? In die bleibende Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott, der in sich Beziehung ist. Diesem Gott dürfen wir uns anvertrauen, wie der Dichter Hermann Hesse es formuliert: „Frommsein ist nichts anderes als Vertrauen.“
Und was hat es mit der Gottesfurcht auf sich? Um ein Missverständnis zu klären: „Furcht“ meint nicht „Angst und Schrecken“. Vielmehr ist es die Ehrfurcht vor Gott, der Respekt, den wir spüren, wenn wir etwas von seiner unendlichen Größe erahnen und uns dabei bewusst werden, wie klein wir selbst sind.
Im Psalm 8 heißt es: „Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde! Über den Himmel breitest du deine Hoheit aus. Was ist da der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“
Sich von Gott geliebt zu wissen und sich ihm anzuvertrauen, nicht aus Angst, sondern aus Liebe: das ist Gottesfurcht. Papst Franziskus hat betont, dass Gottesfurcht dazu drängt, jedem Geschöpf, das von Gott geschaffen ist, mit Ehrfurcht zu begegnen. Vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint, verbindet Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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