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Was glauben Sie eigentlich: Gott hat das Schwache erwählt. Kommt Stärke wirklich vom Heiligen Geist?

GLAUBENS_GUT

Moraltheologieprofessor Pater Martin M. Lintner fragt nach den "Eigenschaften" des Heiligen Geistes. 

Ausgabe: 20/2026
12.05.2026
- Pater Martin M. Lintner
Die Taube - das klassische Symbol für den Heiligen Geist
Die Taube - das klassische Symbol für den Heiligen Geist
© Kiều Trường auf Pixabay

Der Schweizer Jugendbuchautor Stephan Sigg vergleicht die sieben Gaben des Heiligen Geistes mit Cheerleadern. Bei Sportveranstaltungen treten
diese manchmal vor dem Spiel auf den Rasen. Mit akrobatischen Tänzen und rhythmischen Liedern bringen sie das Publikum in Stimmung und feuern die Sportlerinnen und Sportler an.


So bringt der Heilige Geist uns in Stimmung und feuert uns an! Stimmung ist mehr als gute Laune, Stimmung ist eine positive Grundhaltung, die unser Leben wie eine tragende Melodie durchzieht. Gottes Geistkraft macht Mut und schenkt uns Selbstvertrauen. Genau das brauchen wir, wenn wir in einer schwierigen Situation sind oder uns schwach fühlen.

 

Schwäche zulassen


Der Apostel Paulus hat sich selbst als schwach erfahren, obwohl er von anderen als selbstbewusst und wortgewaltig wahrgenommen wurde. Im 12. Kapitel des zweiten Briefes an die Gemeinde in Korinth lässt er uns in sein Inneres blicken: Er schreibt von einem Leiden, das ihn sehr belastet hat. Dreimal betete er inständig, Gott möge ihn davon befreien – doch ohne Erfolg. Dies führt ihn jedoch nicht zur Resignation oder Verzweiflung an Gott, sondern zur Einsicht, dass die Kraft in der Schwachheit durch die Gnade Gottes vollendet wird. Zugegeben – keine leichte Kost. Er hat jedoch erfahren, dass Stärke nicht bedeutet, nach außen hin stark und mächtig zu sein, sondern die eigene Ohnmacht zu akzeptieren und zuzulassen, dass Gott durch uns wirken kann. Wir sind nicht „homo faber“, der sich selbst schaffende Mensch, sondern wir sind mehr als das, was wir aus uns selbst machen oder aus eigener Kraft bewirken können.

 

Gottes Stärke


Die Gabe der Stärke bewahrt uns einerseits vor Verzagtheit und Mutlosigkeit. Sie spornt uns an, etwas zu versuchen, nicht aufzugeben und unser Bestes zu geben. Gleichzeitig bewahrt sie uns vor Selbstüberschätzung und Überheblichkeit. Der heilige Ignatius von Loyola hat sinngemäß gesagt: „Wie würden wir staunen, was Gott aus uns machen würde, wenn wir uns nur ganz seiner Führung anvertrauten.“

Pater Martin M. Lintner
Pater Martin M. Lintner
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