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Sehnsucht nach mehr Serie - Von Jesus leben lernen Teil 4/4

GLAUBENS_GUT

Jesus hat durch das Beispiel seines Lebens gezeigt, wie menschliche Lebensführung gelingen kann. Clemens Sedmak wirft einen tieferen Blick auf das Leben Jesu als „Lebensschule“.
 

Ausgabe: 18/2026
28.04.2026
Jesus sehnte sich nach Tischgemeinschaft. Wonach sehnen Sie sich?
Jesus sehnte sich nach Tischgemeinschaft. Wonach sehnen Sie sich?
© BONDARENCO

Sehnsucht ist eine wichtige Kraftquelle. Sehnsucht nach Frieden in der Ukraine, Sehnsucht nach Geborgenheit, Sehnsucht nach selbstverständlicher Vertrautheit und Akzeptanz in einer Freundschaft.  


Sehnsucht kommt in verschiedenen Formen vor, nicht alle sind gesund. Nostalgie als trügerischer Blick in eine verklärte Vergangenheit ist Einladung zum Rückschritt. Die Sehnsucht nach „der guten alten Zeit“ kann gefährlich sein. Auch Jesus von Nazaret war mit dieser Sehnsucht konfrontiert – Befreiung Israels von den römischen Besatzern und Wiederherstellung des Königreiches in alter Glorie. 

 

Was einem Menschen wichtig ist


Sehnsucht, wenn sie mit Plänen und der Kraft, einen Weg zu gehen, verbunden ist, ist heilsam und menschlich. Im Lukasevangelium finden wir einen schönen Satz über die Sehnsucht. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen“ (Lukas 22,15). 


Jesus drückt darin seine Freude darüber aus, das Mahl mit seinen Jüngern halten zu können: Er habe sich „sehr danach gesehnt“, dies zu tun – das bedeutende Paschafest mit den Jüngern feiern zu können.


Sehnsucht ist eine innere Bewegung, die andeutet, was einem Menschen wichtig ist, in welche Richtung er sich gezogen und gedrängt fühlt. Wenn einer „voll Sehnsucht“ ist, so erfüllt die Sehnsucht die Seele. Es ist Zeichen der Gottverbundenheit, sich nach Gott zu sehnen: „Meine Seele sehnt sich nach dir in der Nacht, auch mein Geist ist voll Sehnsucht nach dir“ (Jesaja 26,9). 

 

Noch nicht alles erfüllt


Sehnsucht ist Ausdruck davon, dass noch nicht alles erfüllt ist, Sehnsucht ist Verlangen nach Wandel. Jesus preist diejenigen, die rechte Sehnsucht haben, wenn er in den Seligpreisungen sagt: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“ (Matthäus 5,6). Selig diejenigen also, die sich nach dem Rechten sehnen. Wer keine Sehnsucht mehr hat, ist am Ziel angekommen; wer keine Sehnsucht mehr hat, genügt sich selbst. So gesehen ist Sehnsucht auch ein Eingeständnis von Unabgeschlossenheit. 


Unruhig ist das Herz


Papst Franziskus hat immer wieder von der Unruhe gesprochen, die das menschliche Herz antreibt und erfüllt. In seiner Ansprache an der Katholischen Universität Löwen am 27. September 2024 forderte er die Lehrenden auf: „Seid unruhig, bitte, mit der Unruhe des Lebens, seid auf der Suche nach der Wahrheit und lasst eure Leidenschaft nie erlöschen, damit ihr nicht der Trägheit des Denkens erliegt, was eine sehr schlimme Krankheit ist.“ 

 

Wonach sehnst du dich?


Heilsame Unruhe ist die Sehnsucht von Pilgern, die wissen, dass sie noch nicht angekommen sind. Die Frage „Wonach sehnst du dich?“ ist eine Schlüsselfrage des Lebens.  


Jesus sehnt sich nach dem gemeinschaftlichen Mahl – weil er die Jünger liebt und weil das Mahl als Abschiedsmahl eine tiefe Bedeutung hat. Seine Sehnsucht ist auch Ausdruck seiner Liebe.

 

Für den Alltag


Im Johannesevangelium sagt Jesus in der Situation des Abschiedsmahls den Jüngern seine Freundschaft zu: „Ich habe euch Freunde genannt“ (Johannes 15,15). Jesu Wort erinnert auch an die gewichtige Frage: Nach wessen Nähe sehnst du dich?

Clemens Sedmak,  Professor für Sozialethik an der University of Notre Dame (USA) und Co-Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung in Salzburg
Clemens Sedmak, Professor für Sozialethik an der University of Notre Dame (USA) und Co-Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung in Salzburg
© University of Notre Dame
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