Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Ich kam nur auf fünf: „Weisheit, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht … und?“ Dann musste ich passen.
Die Jugendliche ergänzte nicht ohne Stolz: „Einsicht und Rat.“ Und dann fügte sie hinzu: „Aber ich glaube sowieso, dass es viel mehr Gaben gibt, die uns der Heilige Geist schenkt. Er lässt sich doch nicht auf eine bestimmte Zahl reduzieren.“
Da hatte sie wohl recht. Gottes Geist wirkt, wie er will; er weht, wo er will. Der Apostel Paulus schreibt, dass der Geist Liebe, Freude, Frieden, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung und vieles mehr bewirkt (Galater 5,22–23). Wenn wir den Heiligen Geist als die göttliche Kraft verstehen, die Leben schenkt und Beziehungen stiftet, dann ist all das Gute, das dem Leben dient, geistgewirkt: dass nach Streit Versöhnung stattfindet, dass der Mensch im Einklang mit der Natur lebt, dass Menschen in schwierigen Situationen den Mut nicht verlieren usw. Nein, die Gaben des Geistes können nicht auf die Siebenzahl reduziert werden.
Dass dennoch sieben Gaben genannt werden, hat mit der symbolischen Bedeutung der Zahl zu tun: Sie steht in der Bibel für Vollkommenheit und Fülle. Die Sieben steht also für die unendlich vielen Gaben des Geistes. Übrigens wurden sechs dieser Gaben aus einem Text des Propheten Jesaja übernommen.
Dort heißt es über den erwarteten Friedensfürsten: „Der Geist des HERRN ruht auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN“ (Jesaja 11,2). Erst im Hochmittelalter, als man sich intensiv mit der Systematisierung des Glaubens befasste und unter anderem auch die Zahl der Sakramente auf sieben festlegte, wurde die Frömmigkeit als siebte Gabe ergänzt.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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