Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Das Herz gilt als Symbol für Liebe, Empathie, Fürsorge, Wärme. Ein Herzensmensch ist ein Mensch, der positive Gefühle für sich und andere im Herzen trägt und freigebig verschenkt. Gott wird als barmherzig bezeichnet, ein Gott, der sich erbarmt, mitfühlt und mitleidet, zugewandt und berührbar ist.
Hetze und Leistungsdruck, fehlende Selbst-Fürsorge, innere Antreiber und Kritiker machen uns das Leben schwer. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten Todesursachen in Österreich. Unsere Herzen leiden. (Dauer-)Stress zerstört unsere Abwehrkraft, macht psychisch und körperlich krank. Angststörungen und Depression nehmen unter den Jüngsten unserer Bevölkerung erschreckend zu. Vieles davon ist selbstgemacht und könnte durch Bewusstwerdung, Disziplin und veränderte Gewohnheiten entschärft werden.
Jeder Mensch hat (allgemeine) Grundbedürfnisse und seiner Lebens- (und Verwundungs-)Geschichte entsprechende persönliche Bedürfnisse. Bedeutend ist, dass ich mir meiner Bedürfnisse bewusst bin, sie benenne und kommuniziere. Das will eingeübt werden, weil es nicht allen von uns erlaubt wurde, bedürftig zu sein.
Angenommen, wahrgenommen und wertgeschätzt bzw. geliebt zu werden, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Viele Menschen sind durch fehlendes Ansehen oder Gesehen-Werden schon sehr früh tief verletzt worden. Ein falsches Selbstbild kann entstehen. Manche werden egoistisch: Sie nehmen sich, was sie brauchen. Andere werden altruistisch: Sie geben (zu) viel, oft um angesehen zu werden. Beides ist ungesund und grenzenlos.
Gesundheit umfasst viele Ebenen und tiefe Schichten. Tiefe Verletzungen im seelischen Bereich brauchen ebenso ärztliche bzw. therapeutische Versorgung wie körperliche Wunden. Ihr Heilungsweg ist aber länger und oft sehr schmerzlich. Es ist heilsam, mit viel Fingerspitzengefühl, Zuwendung und Mitgefühl sowie großer Barmherzigkeit mit diesen Kränkungen und ihrem Heilungsprozess umzugehen – bei sich und bei anderen. Die Wunden müssen sorgsam und liebevoll versorgt werden, mit verständnisvoller Selbst-Liebe. Diese Liebe zu sich selbst, für die eigenen Schwächen, Verletzungen und offenen Wunden ist ein Übungsprozess der Selbst-Annahme: Sie kann aus dem Glauben gelingen, dass Gott mich vor jeder Leistung bedingungslos ins Leben rief und mich, über mein irdisches Leben hinaus, liebt. Wer sich selbst so lieben lernt, kann diese Liebe absichtslos und bedingungslos auf andere Lebewesen ausgießen und daran gesunden.
Selbstfürsorge bedeutet dann, dass ich mich gesund erhalte durch: gesunde Ernährung, körperliche Bewegung, Entspannung und Erholung, soziale Netzwerke mit wohltuenden Umarmungen und gesunden Berührungen sowie mit Bezugsmenschen oder Tieren, mit ausreichend Schlaf, mit geistigen Impulsen und spirituellen Zeiten, mit stärkenden Werten und Haltungen, mit Sinnerfahrungen.
„Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.“
Sprichwörter 4,23
Angelika Gassner, Eigene und fremde Grenzen achten, Spirituelle Impulse für einen guten Umgang mit mir selbst und anderen. Schwabenverlag 2024, € 25,50

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>