Sr. Petra Auzinger gehört dem Orden der Kreuzschwestern an. Sie wirkt als Seelsorgerin am Klinikum Wels-Grieskirchen.
Die Gottesmutter wird seit Jahrhunderten als „Miterlöserin“ angerufen. Dieser Titel ist jedoch theologisch umstritten. So hat das Dikasterium für die Glaubenslehre vor einem Jahr, im Oktober 2025, erklärt, er sei „unangebracht“. Zum Entsetzen vieler, die die Miterlösung durch Maria am liebsten als Dogma definieren würden. Worum geht es also?
Der Kirchenvater Irenäus von Lyon bezeichnete Maria im späten 2. Jahrhundert als „Ursache des Heils“, da sie mit ihrem „Ja“ zum Heilsplan Gottes dessen Verwirklichung ermöglicht hat. Im Hochmittelalter kam es zu einer (überzogenen) marianischen Verehrung, in der Maria als „Erlöserin“ verehrt wurde. In ihrer Frömmigkeit fanden viele Menschen leichter einen Zugang zu ihr als zu Christus, der ihnen in seiner erhabenen Gottheit als fern und entrückt erschien. Salopp formuliert: „Ich gehe zu Maria, sie wird es mit ihrem Sohn schon richten.“ Damit wurde Christus an den Rand gedrängt. Um korrigierend einzuwirken, wurde im 15. Jahrhundert der Titel „Mit-Erlöserin“ eingeführt.
In der Reformation wurde jedoch auch dieser Titel kritisiert. Es wurde betont, dass Heil nur in Christus allein zu finden ist. Maria sei selbst erlösungsbedürftig gewesen. Die alleinige Heilsvermittlung Christi dürfe nicht verdunkelt werden.
Es widerspricht dem christlichen Glauben, wenn „Miterlöserin“ so verstanden wird, dass Maria zusätzlich zu Christus oder sogar unabhängig von ihm erlösend wirken kann. Der Begriff kann jedoch auch richtig verstanden werden: dass Maria durch ihr freies „Ja“ bei der Verkündigung durch den Engel und durch ihre Treue zu ihrem Sohn bis zum bitteren Moment seines Todes, als sie bei seinem Kreuz ausharrte, eng ins Heilsgeheimnis Christi eingebunden ist.
In diesem Sinne erinnert uns „Miterlöserin“ daran, dass Gott keinem Menschen das Heil aufzwingt, sondern dass er aus Respekt vor der Freiheit des Menschen das Heil nur wirken kann und will, wenn der Mensch einwilligt, wie es Maria auf einzigartige Weise getan hat.

Sr. Petra Auzinger gehört dem Orden der Kreuzschwestern an. Sie wirkt als Seelsorgerin am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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